Eine Reise zu den spanischen Erdbeeren – Teil 2

*Dieser Beitrag und die Reise nach Spanien entstand in Kooperation mit der Kampagne „Ich liebe rot

Tag 2 

Ich wache ziemlich gerädert auf, die Nacht war kurz und trotz zweiter Decke immer noch deutlich zu kühl. In der letzten Woche waren hier in Andalusien noch 25 Grad und Sonnenschein, jetzt gerade einmal 12 Grad. Und immer wieder Regen.

Am Morgen scheint dennoch die Sonne bei 14° C, laut Wetter-App soll es ein wunderschöner Tag werden. 

Unser erster Stopp, nach dem Frühstück, ist sozusagen die „Kinderstation“ der Erdbeeren. Hier züchtet die Firma „FNM“ neue Sorten und prüft sie über min. 5 Jahre auf Wind und Wetter, sowie den Geschmack.
(Zorra hat es, in ihrem Beitrag, noch einmal genauer erklärt, schaut unbedingt bei ihr vorbei.)

Für die Plantagen, in der Größe, in der sie in Spanien zu finden sind, und für die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens, muss so eine Erdbeere nicht nur beständig und unempfindlich sein, sondern auch schmecken. Und das wird geprüft und geprüft und geprüft, NIEMALS hätte ich gedacht, dass da so viel dahinter steckt. 

5 Jahre, bis eine neue Sorte überhaupt aufs Feld darf. Irre, welch Aufwand und Arbeit dahinter steckt. 

Für die weitere Reise von Huelva nach Moguer zu den Erdbeerplantagen bekommen wir drei große Schalen Erdbeeren mit auf den Weg. Wir vertilgen sie in Windeseile, denn man kann es weiterhin nicht leugnen: sie sind köstlich. 

Unterwegs sammeln wir noch eine deutschsprachige Mitarbeiterin der Firma„GRUFESA ein. Ein Segen, denn das Englisch der Spanier ist – sagen wir mal – zeitweise etwas schwer zu verstehen. Loli hingegen spricht einwandfrei deutsch und wir löchern sie vor allem mit Fragen rund um das Thema „Wasserprobleme“ und „Arbeitsbedingungen“.

Loli wirkt absolut nicht „einstudiert“ oder vorbereitet und antwortet sehr aus dem Bauch heraus und manchmal auch ein wenig emotional, was ich schön finde.Ich mag sie vom ersten Moment an und freue mich, dass sie uns so ehrlich und ausführlich antwortet. Und emotional zu reagieren ist menschlich und in ihrem Job auch verständlich. 

Denn in Spanien ist GRUFESA der drittgrößte Arbeitgeber des Landes, es steckt so viel mehr dahinter, als das, was wir sehen und nach ihren Aussagen, ist GRUFESA auch ein Arbeitgeber, welcher sich kümmert. Um alle Mitarbeiter, nicht nur diese, die im Büro ihren Job machen. Auch erklärt sie uns, dass es hier in Spanien – natürlich – einen Mindestlohn gäbe. (Anmerkung: Dieser liegt wohl monatlich bei rund 756,70 Euro – Stand Januar 2015) 

Ich bin der Regen und du bist das (Plastik-)Meer…

Angekommen auf den Erdbeerplantagen fällt mir, zuallererst, das Meer von Plastik auf. Kilometerweit sieht man weiße Plastikzelte. Ich verstehe den Sinn, verstehe, dass dies die Erdbeeren schützt, vor allem vor der Sonne, aber trotzdem zieht sich mein Herz zusammen.

Auf die Nachfrage von der lieben Zorra „Wohin denn all dies entsorgt wird, wenn es nicht mehr gebraucht wird?“ bekommen wir leider keine Antwort. Was bleibt sind Spekulationen und die Aussage der Website, dass der Plastikmüll vorschriftsmäßig entsorgt und recycelt wird. 

Beim Thema Wasserverbrauch berichtet Loli, dass es deutlich weniger Probleme gäbe, als hier bei uns bekannt sind. Laut Loli ist, wie überall, der Grundwasserspiegel ziemlich variabel und Spanien tut viel daran das Wasser (vor allem während der Regenzeit) aufzufangen und zu „speichern“. Ebenso erzählt sie uns, dass in der Zeit, in der eine Bewässerung von Erdbeeren wirklich problematisch wäre, die Beere schon gar nicht mehr angebaut wird. 

Nun ja, bei diesem Thema bin und bleibe ich skeptisch. Ganz so „einfach“ kann ich es mir nicht vorstellen, liest man doch immer wieder davon, dass gerade Südspanien besonders von der Klimaerwärmung und all ihren Nebenwirkungen betroffen ist und sein wird. 

Als ich aus dem Bus steige, wird mir etwas mulmig im Bauch. Ich habe mir, während der Fahrt, wieder so viele Gedanken darüber gemacht, ob das hier alles richtig für mich wäre, Gedanken darum gemacht, was mich hier erwartet und ob ich Dinge sehe, mit denen ich absolut nicht konform gehen kann. 

Ein knochenharter Job und trotzdem überall so fröhliche Gesichter.

Was mich dann auf den Plantagen erwartet sind jedoch überaus freundliche und lachende Gesichter. Fröhliche Menschen. Ich kann kaum anders und strahle sie alle an und habe den größten Respekt vor dem, was sie hier tun. Erdbeeren pflücken ist, auch überall sonst, ein Knochenjob.

Ähnlich wie in Deutschland übernehmen das Gastarbeiter. Einheimische machen diesen Job nicht. Was ich so grundsätzlich noch nie verstanden habe, jedoch ist dies ein anderes Thema. Für die Menschen, die diesen Job machen, ist diese Arbeit so wichtig. Sie verdienen Geld, welches sie in ihren Heimatländern ggf. nie verdienen würden. 

Welt, du bist ehrlich grausam. In mir drin macht sich wieder dieser absolute Wunsch nach Gleichberechtigung, Frieden und fairem Miteinander breit. Auf meinem Ponyhof ist alles so einfach. 

Wieder probieren wir die köstlichsten und süßesten Beeren und schweben da ein wenig im 7. Himmel. Trotzdem, irgendwie bin ich ein bisschen froh, als wir die Plantage wieder verlassen. Und ich muss ehrlich sein, es ist mein schlechtes Gewissen, welches mich plagt.

All diese Menschen, die dort so hart arbeiten, um zu überleben und ihre Familien zu unterstützen und das – trotz des Mindestlohns – doch eigentlich immer noch für viel zu wenig Geld und Anerkennung. Wie können wir sie im Alltag so vergessen?

Wie kann das jemanden kalt lassen? 

Ja oder Nein, ich glaub ich mein JEIN…

Ich bin froh, dass wir den Nachmittag bzw. Abend wieder mit Léa verbringen, ihre fröhliche und inspirierende Art macht auch mich wieder fröhlich. 

Als ich nach diesem langen Tag ins Bett falle, kommen meine Gedanken kaum zur Ruhe. Sie kreisen darum wie richtig oder falsch das alles ist. Wie richtig oder falsch es sein kann und wie richtig oder falsch es gemacht wird. 

Sicher wünscht ihr euch jetzt ein klares „NEIN“ oder ein klares „JA“ gegen oder für die spanischen Erdbeeren, aber ich muss euch enttäuschen.

Ich kann euch beides nicht geben. Zu viel geht da noch in meinem Kopf herum, ich wäge ab. An so vielen Stellen und kann dazu die Antwort auf meine Frage

„Aber dürften wir dann überhaupt noch ausländisches Obst und Gemüse kaufen.“ 

nicht mehr hören.

„Aber die Erdbeere wächst halt in Deutschland, deswegen braucht es die nicht aus dem Ausland!“ ist für mich absolut keine Antwort mehr. Nicht im Geringsten. Das macht die vielen unschönen und nicht nachhaltigen Dinge, die mit unseren heiß geliebten Avocados, Bananen und Orangen passieren nicht besser oder schlechter als all das, was bei den Erdbeeren Fakt ist. 

Fakt ist, dass wir zu KEINER Zeit auch nur zu 70 % wirklich ethisch und fair konsumieren. Es wird immer etwas übrig bleiben, bei dem wir unser Geld in ein System stecken, welches wir eigentlich gar nicht unterstützen möchten.

Müssen wir, schlussendlich, nicht einfach mal anfangen in allen Lebenslangen bewusster zu konsumieren bzw. uns auch bewusster zu werden? Lebensmittel, Kleidung, Konsum etc. pp.

Und wie kann ein Mensch, der täglich Fleisch aus Massentierhaltung konsumiert, SO laut über eine spanische Erdbeere schimpfen? Woher kommt diese Doppelmoral? Zumal die konventionelle deutsche Erdbeere auch gespritzt werden (in Spanien dürfen die Beeren, nach Angaben von GRUFESA erst nach Verabreichung eines „Rezeptes“ gespritzt werden), Gastarbeiter auch ein Thema sind und mittlerweile auch die Aufzucht unter Folie immer mehr verbreitet ist.

Mein Fazit. 

Wisst ihr, ich würde mir – so im Prinzip – einfach wünschen, dass die Welt von Haus aus fair und nachhaltiger wäre, dass wir alle mehr aufeinander Acht geben und mehr darauf schauen, dass andere Lebewesen (ob Mensch, Tier oder Pflanze) nicht zu Schaden kommen. 

Vielleicht schaffen wir es dann ja irgendwann, GEMEINSAM, fairer und ethischer zu leben. 

Ich danke euch, dass ihr mich auf dieser Reise begleitet habt, danke euch für all eure Worte und wünsche mir sehr, dass ihr mich in meiner Meinung respektiert, auch wenn sie nicht so klar ist, wie ihr sie euch vielleicht erhofft hattet.

9 Gedanken zu „Eine Reise zu den spanischen Erdbeeren – Teil 2

8 Kommentare

  1. Sabrina

    Liebe Franzi,
    danke für den spannenden Bericht.
    Ich finde dein Fazit auch völlig in Ordnung und nachvollziehbar. Es gibt soviel Doppelmoral beim Thema Nachhaltigkeit, bewusster Konsum etc., dass man ruhig sagen darf, wenn man keine gefestigte Meinung hat. :)

    Was mich aber interessieren würde, ist dein Halbsatz zu den zu viel gespritzten deutschen Erdbeeren. Ich bin selbst auf einem Bauernhof groß geworden und weiß um die vielen Testergebnisse, die Einschränkungen und gleichzeitig Anforderungen durch Markt und Verbraucher. (von der Schwierigkeit, deutsche Erntehelfer zu finden, fange ich gar nicht erst an :D) Ich weiß, wie krass auch Bio-Produkte behandelt werden und warte schon länger darauf, dass die Bio-Blase platzt.
    Aber ich finde es schade, wenn in einem Nebensatz suggeriert wird, dass ja jeder weiß, wie übel deutsches Obst von der Qualität her ist, anstatt sich ausführlich mit Messergebnissen abseits von Greenpeace oder Ökotest zu befassen und diese in Relation zu setzen.

    Das nur als kleiner Hinweis, du weißt ja, dass ich schon lange ein Fan deiner Seite bin und mich über jeden Beitrag freue. <3

    Liebe Grüße
    Sabrina

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  2. Julia

    Liebe Franzi,
    vielen Dank für Deinen Beitrag. Was soll ich sagen? Es ist halt eine große Industrie, die da unser Obst und Gemüse anbaut, das hat nichts mit der romantischen Vorstellung zu tun, dass da ein/e glückliche/r LandwirtIn morgens ihre Kühe grüßt und dann mal hier, mal dort ein wenig Unkraut zupft. Obwohl das nicht romantisch, sondern naiv ist ;) Aber im Ernst: Ziel dieser Industrie ist, zu möglichst geringen Kosten zu produzieren um den größtmöglichen Gewinn zu erwirtschaften. Dabei ist es vollkommen egal, ob es dabei um Erdbeeren aus Spanien, Tomaten aus Holland, oder Spargel aus Deutschland geht. Wir Kunden fragen nach einem Produkt – die Industrie reagiert. Schön wäre, wenn wir dahin kämen, dass diese Industrie gute Leebensmittel für alle Käuferschichten anbieten würde, die für die Umwelt schonend prodzuziert wurden. Ich befürchte nur, dass wir dahin noch einen langen Weg gehen müssen. Und deshalb find ich es auch so gut, dass Du diese Reise mitgemacht hast und uns ein bisschen aufmerksam machen konntest, wie eben Lebensmittel ihren Weg zu uns in den Supermarkt finden.
    Alles Liebe !
    Julia

    Antworten
    1. Franzi Beitragsautor

      Ich danke dir liebe Julia, hab Dank für deine Worte! :-) Und ich geb dir in allen Punkten so recht, denn gäbe es diese Industrie wirklich, wenn der Kunde nicht nach ihr „verlangen“ würde? Es liegt so viel in unserer Hand. Aber ich fürchte, es ist wie mit der BILD. Jeder hasst sie, aber sie wird zu Hauf gekauft und gelesen. :-/

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  3. Tabea

    Schade, dass du die sommerlichen Temperaturen nicht abbekommen hast – aber um die Reise beneide ich dich trotz der kalten Nacht noch ;)

    Ich wusste gar nicht, dass man Erdbeersorten so lange testet… aber das ist natürlich spitze! Werden die Sorten, die man in Deutschland erwerben kann als Pflanzen auch geprüft? Und woran erkennt man, wie gut sich die Sorte geschlagen hat?

    Super, dass Grufesa so gut mit seinen Arbeitnehmern umgeht!!! Aber wie viele Stunden muss man denn für den Mindestlohn arbeiten? Ich finde das gerade schwer vergleichbar mit dem in Deutschland vorgeschriebenen Mindestlohn und habe keine Ahnung, ob die Leute nun viel oder wenig verdienen.

    Das mit dem Plastik ist wirklich traurig- aber anders ist es wohl einfach nicht möglich, dass all diese Menschen Arbeit haben und wir Erdbeeren ganzjährig kaufen können, oder?
    Bei dem Wasser wäre ich aber wie du skeptisch und ehrlich gesagt überrascht es mich gerade, dass dir glückliche Menschen als Erdbeerpflücker begegnet sind! Selbst in weniger harten Jobs begegnen einem ja hierzulande selten fröhliche Leute und alle sehnen sich immer nur nach dem Feierabend :(

    Dein Jein zu den Erdbeeren kann ich aber gut verstehen – und ich sehe das genauso, solange wir die Erdbeeren direkt in Spanien kaufen und essen… wenn sie aber erst noch nach Deutschland zu mir reisen, dann lehne ich sie klar ab! Ich bin einfach für Regionalität ohne unnötigen Transport. Auch, wenn ich wohl selbst wie du sagst nicht immer ethisch korrekt handle, sind Erdbeeren für mich immerhin ein Anfang – und Bananen habe ich z.B. daher auch stark eingeschränkt.

    Ich glaube, ich werde jetzt wieder mal ewig darüber nachdenken, was ich ICH tun kann und was richtig oder falsch ist…

    Liebe Grüße und danke für diese Eindrücke!!!

    Antworten
    1. Franzi Beitragsautor

      Danke liebe Tabea! Und dein Schlusssatz ist wirklich wunderbar, wir sollten alle anfangen mal bei uns zu schauen und vor allem herausfinden, was man selbst verbessern kann. <3

      Antworten
  4. Jenni

    Liebe Franzi,

    ich habe deine Reise zu den Erdbeeren und die Reaktionen, die sie ausgelöst hat, ebenfalls verfolgt und lange über dieses Thema nachgedacht.
    Dass du diesen zweiten Teil geschrieben hast, dafür bin ich dir mehr als dankbar – und erst recht für das Fazit, das du darunter gezogen hast und dem ich mich absolut anschließen kann.
    Es ist wichtig, dass wir ein wenig hinter die Kulissen schauen können und nachvollziehen können, woher unsere Lebensmittel kommen, welchen Weg sie zurücklegen und wer an ihrer Produktion beteiligt ist. Mit dieser Reise hast du uns zumindest ein paar Einblicke gewähren können – und ich finde es toll, dass du von Skepsis, Zweifeln und Unmut schreibst – denn genau das ist hier auch richtig am Platze.

    Dass die spanischen Erdbeeren in punkto Klima, Menschenwürdigkeit und anderen Faktoren nicht das Sahnehäubchen auf dem ethisch korrekten Konsum sind, ist mittlerweile Allgemeinplatz, denke ich. Umso wichtiger finde ich es, sich konkret und konstruktiv mit dem Thema auseinanderzusetzen – und nicht nur auf bloße Abwehrhaltung zu gehen. Die Auseinandersetzung und die Kritik am Bestehenden ist wichtig – wie soll sich sonst etwas ändern?

    Danke dir für diese Einblicke und für das Nachdenken über diese wichtigen Punkte unseres ach-so-ethischen Konsums.

    Liebe Grüße
    Jenni

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    1. Franzi Beitragsautor

      Ach Jenni, hab 1000 Dank. Deine Meinung ist mir – immer wieder – so wichtig und ich freu mich immer sehr, wenn du schreibst. Vor allem danke ich dir, dass du meinen Beitrag so absolut richtig verstanden hast. <3 Fühl dich umarmt

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