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20 Euro – ein Woche: Tag 7 und das Fazit

Tag 7, die Woche ist vorbei. Ging zum Schluss dann doch schneller als ich schauen konnte. 

Da das Fazit sicher ein paar Sätze mehr beinhalten wird, halte ich mich mit dem Tagesablauf heute etwas kürzer und geb euch lediglich die Listen an die Hand. :-) 

Frühstück:

  • 3 Müsliriegel – 0,33 Euro
  • 1 Apfel – 0,15 Euro
  • 1 TL Sirup – 0,03 Euro
  • 100 g Sojajoghurt – 0,42 Euro

Kalorien Frühstück: 499 kcal (Yeahha) 

Mittagessen: 

  • 75 g Graupen – 0,18 Euro 
  • 200 g Bohnen – 0,35 Euro 
  • 400 ml Wasser plus 1 Brühwürfel – 0,17 Euro
  • 1/2 Möhre 45 g  – 0,09 Euro 

Kalorien Mittagessen: 482 kcal 

Tag 7 (2 von 2)

Die halbe Möhre in feine Würfel schneiden. 

In der Gemüsebrühe die Graupen und die Möhren ca. 20 Minuten köcheln lassen. Bohnen dazu und als Eintopf genießen. :-) 
(Macht gut satt!) 

Abendessen

  • 2 Scheiben Dinkelbrot 70 g (in der Pfanne geröstet) zu 0,21 Euro  
  • 10 g Alsan zu 0,03 Euro 
  • 4 Portionen (Rest) des Aufstriches zu 0,64 Euro 

Kalorien Abendessen: 439 kcal 

Gesamtausgaben am 7. Tag: 2,60 Euro
Kalorien gesamt: 1420 kcal 

Ihr Lieben,

nun ist es vorbei, das Experiment. 7 Tage lang wollte ich wissen wie man mit 20 Euro auskommen kann, wenn man einen Großteil Biolebensmittel einkauft.

Und irgendwie war genau dieses Thema das, was sich ganz schnell in den Hintergrund gedrängt hat.

Schnell ging es eigentlich um ganz andere Dinge und Gedanken. Bio stand gar nicht mehr wirklich im Vordergrund, eher der Gedanke „Wie geht es überhaupt mit 20 Euro in der Woche?“ Fest steht, mit Bio ist es möglich…aber zu welchem Preis? Mein Preis war, dass ich kaum auf ein annähernd gutes Kalorienziel am Tag kam. Mir ging es von Tag zu Tag schlechter, kann man so sagen. Ich bin blass geworden, fühlte mich schlapp, unausgeglichen, motzig und ich merkte, dass mir so vieles fehlt. Vitamine, Eiweiße, Ballaststoffe…was das alles auslöst brauch ich euch nicht erzählen, das wird euch bewusst sein. (Erschreckend, dass sich das überhaupt schon nach so kurzer Zeit bemerkbar macht.) 

Auch ist mir sehr schnell klar geworden, das mein Plan völlig falsch war. Ich hätte das Experiment ganz anders aufziehen müssen. Ich hab so viel vergessen was man so im normalen Alltag braucht. Tja, das ist wieder das Thema „Wir haben es ja und merken es erst, wenn es fehlt.“ 

Es ist schwierig so etwas für eine Woche zu planen, mich wundert gar nicht, dass ich so viel vergessen habe und nicht richtig eingeplant habe. Hätte ich das Experiment einen Monat durchgeführt, mit 80 Euro. Ich hätte vööööllig anders eingekauft. Aber gut, daraus lernt man ja und meine täglichen Pläne hier sind nur ein minimaler Einblick in eine Welt, in der man tatsächlich nur 20 Euro in der Woche zur Verfügung hat. 

21,49 Euro habe ich in dieser Woche verbraucht. Ganz nah am Ziel vorbei und ich kann mich gerade mit mir selbst nicht einigen, ob das Experiment nun gelungen oder gescheitert ist. Denn wie ich oben schrieb, irgendwie gehen meine Gedanken schon seit dem zweiten Tag in eine ganz andere Richtungen, deswegen steht bei mir am Ende ein ganz anderer Punkt an erster Stelle. 

WIE fühlt es sich eigentlich an mit so wenig Geld zu leben? 

Ich kann nicht mal sagen – trotz einiger Zwischenfälle – dass es sich ganz furchtbar schlimm angefühlt hat. Das hat es nicht, ich denke hätte ich vorab noch besser geplant, vielleicht sogar einen Monat bewusst erlebt oder weniger den Fokus auf die Biolebensmittel gelegt, dann wäre es sogar gegangen, ABER auch nur, weil ich ein wenig Ahnung habe von dem, was ich hier tue.

Kochen ist für mich kein fremdes Gebiet, ich kann aus Resten tolle Sachen zaubern, mit wenig viel auf den Teller bringen…aber das kann nicht jeder und leider bekommen viele Menschen mit wenig Budget niemanden an die Hand, der ihnen dabei hilft. Und das ist unheimlich schade.

Schon lange finde ich, dass das Unterrichtsfach Ernährung und Umgang mit Geld an unsere Schulen gehört, viel wird gelernt, das was wirklich wichtig ist und am Ende bleibt, das bleibt außen vor.

„Macht schon die Außenwelt.“ In vielen Fällen macht sie das aber eben nicht, weil sie es auch nie gelernt hat. Wie soll also ein Mensch mit geringem Budget wissen, dass die ewigen Fertiggerichte zwar billige Kalorien liefern, aber für die Gesundheit auf Dauer einfach nicht gut sind? Ich gebe zu, auch ich hab früher oft gedacht „Ach, es wird nicht so schwer sein von einem Hartz4 Budget zu essen.“

Aber doch, es ist schwer, wenn man niemanden an die Hand bekommt, der einen mal ein klein wenig unterstützt und zeigt wie man günstig und trotzdem gesund kochen kann und selbst dann ist das Budget noch gering. Schaut euch die Lebensmittelpreise an. Sie steigen. Immer wieder. Obst und Gemüse sind so teuer wie noch nie und dann steht man da mit seinen 20 Euro Wochenbudget und investiert es dann doch lieber in billige Kalorien.

Ich kann das – jetzt –  verstehen und auch ein wenig nachempfinden. 

Diese Experiment hat mir enorm viel gezeigt und auch viel über mich selbst gelehrt. Ich dachte nie, dass Essen SO wichtig für mich ist, dass es mich so umhaut, nicht mehr frei essen zu können, so intensiv zu planen. Normalerweise schreibe ich auch Pläne, aber die hau ich auch gern mal auf den Kopf und koche völlig anders, als ich es zuerst gedacht habe oder gehe dann eben doch mal essen. 

DAS ist einfach nicht möglich, wenn man auf das – sehr kleine – Budget achten muss. Man hat nicht die Wahl. Und wenn man bedenkt, dass das nicht nur Hartz4 Empfänger trifft (die ggf. nur gewisse Zeit so leben müssen), sondern auch und gerade die Rentner und Studenten, dann ist es schon sehr traurig, denn hoch gerechnet sind das eine Menge Menschen. 

Ab morgen werde ich wohl noch bewusster leben, so ein Experiment mit so vielen Eindrücken kann nicht spurlos an einem vorbei gehen. Ich habe das Gefühl, dass ich unsere täglichen Lebensmittel und meine täglich Auswahl und die Möglichkeiten einfach noch mehr zu schätzen gelernt habe. Natürlich, ich freue mich schon, dass ich jetzt wieder völlig normal essen „kann“, dass ich nicht in der Situation bin, dass es mir schlecht geht, aber ich bin glücklich darüber, dass ich es mal gespürt habe. Denn man muss Dinge selbst erleben um sie zu verstehen. 

Ich danke euch von Herzen, dass ihr so aktiv dabei wart. Eure Kommentare haben mich erheitert, aufgemuntert, mit Mut versehen und auch zum Nachdenken gebracht. Ihr wart ein großer Teil des ganzen Experimentes hier. Deswegen, von ganzem Herzen DANKE! Und ich wünsche mir sehr, dass ich euch auch ein klein wenig zum Nachdenken angeregt habe. :-) 

Ich werde jetzt ggf. ein paar Tage Blogpause einlegen und einfach einmal nachwirken lassen und auch wenn oft danach gefragt wurde, ich werde hier keine Liste meines normalen Alltags niederschreiben, denn für mich fühlt sich das gerade ziemlich falsch an. Ich hoffe ihr versteht das. :-) 

Lasst es euch gut gehen, wir lesen uns bald wieder,
eure Franzi :-) 

PS: Ich möchte an dieser Stelle einmal das Tauschticket Forum grüßen, meine roten Schuhe in die Luft halten und rufen „ich bin es wirklich“ ;-) 

Zusammenfassung des Experiments 

Tag 1
Tag 2
Tag 3
Tag 4
Tag 5
Tag 6
Tag 7

 

20 Euro – 1 Woche: Tag 5

Tag Nr. 5

Ein neuer Tag, den gestrigen einfach mal vergessen. War riesiger Mist und regt mich wieder sehr zum nachdenken an. 

Was für mich nur in dieser Woche „tragisch“ ist, ist für andere ein normales Leben. Das hinterlässt in einem selbst doch eine Menge Spuren. 

Der Tag fängt gut an, ich geh nämlich zum Schneeschieben raus. Jaaaaaa, es hat endlich ein wenig geschneit. Juhu. Ich starte also gleich mal super fröhlich in den Tag. :-) 

Von gestern ist noch eine 3/4 Kanne Apfeltee da, was gestern Abend noch so „na ja, geht schon“ war, ist heute in der Früh einfach nur phänomenal lecker. Süß, fruchtig…ich hüpf erst mal kichernd im Kreis. Welch Bereicherung. So etwas kleines kann so viel Freude auslösen.

Wahnsinn. (Und im Laufe des Tages gieße ich den einfach wieder auf und geb noch die frischen „Reste“ vom Apfelkompott hinzu und habe somit 0,11 Euro für den Kräutertee am heutigen Tag gespart.) 

Meine Freunde fragen mich, was ich am Montag als erstes kochen werde. Ich werde gar nicht kochen, ich werde zuerst einen Kuchen backen. So einen richtig schön saftigen Marmorkuchen. Danach gelüstet es mich schon die ganze Zeit. ;-) 

Nun gut, noch ist nicht Montag und noch habe ich drei Tage vor mir und viele Gedanke zu Ende zu denken. Beginnen wir mit dem Frühstück,  da war ich heute gleich mal wild und hab ganz frech zwei Müsliriegel „geopfert“ um es einmal knuspriger zu gestalten. 

Zum Frühstück verbraucht habe ich:

2 Müsliriegel – 0,22 Euro
20 g Haferflocken – 0,05 Euro
200 ml Sojamilch – 0,20 Euro
1 Apfel – 0,15 Euro

Kalorien Frühstück: 397 kcal
Fängt doch gut an. :-)  

Wohlig satt mach ich mich – mit Apfeltee – und Wärmflasche ein wenig an die Arbeit.

Komisch fühl ich mich heut, ich hab Kopfweh, mir ist kalt und ich bin so, so, so müde. Muss man sich noch wundern, dass Menschen mit wenig Budget für Lebensmittel irgendwie träger werden? 

Ich recherchiere noch ein wenig zum Thema Containern. Meine Gedanken kreisen ja schon die ganze Woche über die möglichen Alternativen der Lebensmittelbesorgung im Fall der Fälle.

(Anmerkung: Ich möchte hier mit dem Bericht, dem Interview etc. niemanden dazu bewegen etwas illegales zu tun oder „im Müll zu wühlen“, es ist lediglich ein Thema, welches ich in dem Zuge des Experimentes behandeln möchte und welches ich persönlich sehr interessant finde.)

Woher kann man Lebensmittel bekommen wenn das Geld sehr knapp ist, es nicht reicht, eine Tafel fern ist? Ich denke diese Gedanken würde sich jeder machen, der in so einer Situation ist, oder? 

Containern ist sicher nichts für jeden, ich selbst bin auch nicht sicher, ob es mein Ding wäre. Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich es aus finanzieller Sicht wirklich nicht brauche, aber gleichzeitig kotzt es mich tierisch an WAS da alles in den Tonnen landet und verstehe diese Bewegung nur zu gut.

Man findet Lebensmittel die noch absolut in Ordnung sind, in größten Mengen…es ist traurig. So traurig. 

Bei all dem was alles aus den Containern geholt wird, da stockt mir manchmal echt der Atem, in diesem Bericht hier könnt ihr das ganz wunderbar anschauen. 

Von vielen Menschen erfuhr ich in den letzten Tagen, dass sie containern. 
Mit Erfolg, mit Leidenschaft, mit politischem und gesellschaftlichem Interesse und auch oft aus Gründen der puren Armut. Die Menschen hinter dem Thema „Containern“ haben so viele Gesichter. 

Deswegen habe ich ein paar aktive „Containerer“ befragt um noch mehr Antworten zu diesem sensiblen Thema zu bekommen.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an euch, dass ihr so offen und ehrlich wart. :-) 

 1. Seit wann containerst du und was dahingehend dein persönlicher Antrieb?

F.: Ich selber geh erst seit ca einem Monat Containern, habe aber über Bekannte schon vorher davon „Profitiert“, was dann letztendlich auch zu dem Entschluss beigetragen hat selber mal „loszuziehen“.
Mein Persönlicher Antrieb ist in Erster Linie ( zugegebener Maßen) die finanzielle Seite, denn man kann schon ziemlich viel Geld dadurch sparen. Hinzu kommt aber auch, dass ich es unsinnig finde Lebensmittel, welche nicht mehr zu 100% Den optischen Ansprüchen entsprechen einfach in den Müll zu werfen anstatt sie günstiger zu verkaufen oder zu Spenden, wodurch sich das Thema Welthunger bestimmt dezimieren lassen würde.

 L.: Ich habe letztes Jahr das erste Mal containert. Wollte das vorher schon mehrere Jahre mal ausprobiert haben, aber hatte niemanden, die/der mich mal mitnehmen konnte. Mein persönlicher Antrieb liegt darin, dass ich nicht mit ansehen möchte, dass so viele noch essbare Lebensmittel weggeworfen werden. Obst und Gemüse, das eine kleine nicht nicht perfekte Stelle hat. Genau wie Trockenprodukte, deren MINDESThaltbarkeitsdatum „abgelaufen“ ist, können noch super gegessen werden und sind nicht minder schmackhaft.

R.: Ich containere noch nicht sehr lange. Das erste Mal war ich 2011 unterwegs, allerdings einmalig, dann letztes Jahr hier und da ein paar Mal. So richtig erst seit diesem noch recht jungen Jahr. Ich bin da noch ganz grün hinter den Ohren. Dazu entschlossen habe ich mich, da ich es beschämend finde, wie viele Lebensmittel weggeschmissen werden, vor allem tierische, wie viele Tiere also völlig umsonst leiden mussten und wie viele Menschen gleichzeitig hungern oder nur gerade eben so satt werden.

 2. Containern in deinen Augen, legal oder illegal?

F.: Mir ist bewusst, dass Containern nicht legal ist, aber ich bin der Meinung, dass es keinem Menschen etwas nützt diese Lebensmittel einfach zu entsorgen und es niemandem schadet, wenn ich mir das nehme was ich gebrauchen kann. Ausserdem hat mir bisher noch niemand gesagt dass es illegal ist, also sehe ich es für mich als legal an :-D

L.: Rechtlich gesehen ist es illegal. Ich sehe es für mich persönlich als eine Grauzone, in der ich mich bewege. Was ich nicht mache, sind Gitterboxen oder Container aufzubrechen. Es ist zwar sehr schade, wenn Supermärkte ihren Müll wegsperren, weil sie wissen, dass sonst containert werden könnte, aber dennoch setze ich mich nicht darüber hinweg. Ich kenne einige Container, die gut und einfach zugänglich sind. Auch ist mir wichtig, den Platz hinterher so zu verlassen wie ich ihn vorgefunden habe, wenn nicht sogar ordentlicher, um die Mitarbeiter_innen der Supermärkte nicht zu verärgern. 

R.: Rechtlich mag es illegal sein, für mich ist es legal, da ich es kein bisschen ethisch verwerflich finde. Man schadet damit niemandem, wenn man nichts kaputt macht. Die Sachen wurden weggeschmissen, dass da also noch Besitzansprüche dran gestellt werden können, finde ich krank.

3. Wenn du los ziehst, was bringst du aus den Tonnen mit?

F.: Meistens finde ich Bananen, Kartoffeln, Brot, Gemüse wie Paprika, Tomaten und Möhren oder Obst (Meistens Äpfel, Zitrusfrüchte, Mangos und Avocados). Seltener finde ich mal Milchprodukte und Wurstwaren die noch „verwertbar“ sind, wobei das natürlich stark jahreszeitenabhängig ist (Im Winter hält es sich frisch)

L.: Ich ziehe nach Ladenschluss los. Meist nach Mitternacht. Da ich vegan lebe, containere ich auch nur vegane Produkte, in der Regel Obst und Gemüse. Ich konnte aber auch schon Blumensträuße retten und sie nochmals in einer Vase aufblühen lassen.

R.: Ich bin ja noch nicht so lange dabei, daher ist das sicher keine repräsentative Antwort. Am meisten habe ich bisher Milchprodukte und Fleisch gefunden. Sowas verteile ich dann weiter an Menschen, die es essen möchten. Auch Obst findet man oft, z.B. Ananas, Bananen oder Orangen. Brot bekommt man auch massenweise. Generell nehme ich soweit möglich alles mit, was noch gut aussieht und verteile es dann weiter, ich containere nicht nur für mich. Man kann sagen, dass es im Prinzip nichts gibt, was nicht weggeworfen wird, sollte es auch noch so abwegig sein.

4. Was hat dich beim containern am meisten erschreckt, was hat dich besonders gefreut?

F.: Am Meisten erschreckt hat mich die irrsinnige Menge an Produkten, die ihr Mindesthaltbarkeitsdatum nicht erreicht/überschritten haben und nur aus optischen Gründen weggeworfen wurden (Brote die an einigen Stellen abgeknickt waren, Produkte mit schief geklebten Etiketten ö.ä.) Gefreut habe ich mich als ich bemerkt habe, wie sehr mir das Containern finanziell hilft.

L.: Was mich jedes Mal erschreckt sind die unfassbar großen Mengen an Lebensmitteln, die weggeworfen werden. Ich freue mich über jedes einzelne Lebensmittel, das ich retten kann. Besonders habe ich mich aber mal über eine Packung Blaubeeren gefreut. Die hatte ich davor schon längere Zeit nicht mehr gegessen, weil sie mir in der Regel zu teuer sind.

R.: Erschreckt haben mich die Massen, die da sinnlos im Müll landen. Unnötiges Tierleid, unnötige Ressourcenverschwendung, Müllproduktion, unnötiger Hunger. Und das nur, damit die Regale immer alle voll sind, es darf nie etwas fehlen. Gefreut hat mich der Umgang der Foodsaver untereinander, hier habe ich bisher sehr viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft erlebt, wir ziehen ja irgendwie alle am gleichen Strang.

5. Zu wie viel % bestimmt das Containern deinen Speiseplan? Was sparst du so ca.?

F.: Das Container bestimmt meinen Speiseplan in den Tagen nachdem ich unterwegs war sehr stark, weil die Lebensmittel manchmal sehr schnell verarbeitet werden müssen. Deshalb weiß man nie was dann an Essen auf den Tisch kommt (Gemüsesuppen und Eintöpfe sind recht häufig dabei). Sparen tue ich im Moment so ca zwischen 100 und 200 Euro pro Monat, weil ich bisher noch keine Liste aufgebaut habe, wann ich wo hin muss um möglichst viel zu finden.

L.: Das kann ich nicht genau sagen, da ich momentan aus zeitlichen Gründen nicht regelmäßig containere. Ich schätze, dass ich je nach Ausbeute Lebensmittel mit einem Warenwert von 5-40 Euro pro Containerabend rette. Einige Lebensmittel wie Bananen, Gurken, Kartoffeln und Brokkoli finden sich besonders oft. Salatköpfe finden sich auch oft in den Tonnen, die sind aber in der Regel wirklich matschig und nicht mehr genießbar. Bei Trockenprodukten wie Nudeln oder Reis muss Mensch Glück haben. Brot findet sich ebenso sehr oft in den Containern.

R.: Diese Frage kann ich noch nicht so beantworten, da ich dafür noch nicht lange genug dabei bin. Als Veganer_in ist es vermutlich schwieriger, sich ganz aus der Tonne zu ernähren, denn am meisten findet man meiner Erfahrung nach Milch- und Fleischprodukte, bei Obst und Gemüse muss man aufpassen, das ist dann leider oft wirklich schon etwas gammelig, wobei man da auch super Sachen finden kann. So Sachen wie Reis, Getreide etc. habe ich bisher nicht gefunden, die muss ich also nach wie vor kaufen. Ich schätze im Moment sind es so ca. 20-30%, wie viel ich damit spare ist auch schwer zu sagen. Ich weiß aber, dass ich meine Ausgaben für Lebensmittel drastisch reduzieren könnte, wenn ich noch mehr containern würde. Ich kenne einige Foodsaver, die gar nicht oder so gut wie gar nicht mehr regulär einkaufen.

Was eure Meinung zu diesem Thema? Habt ihr in kargen Zeiten darüber nachgedacht? Macht ihr es sogar aktiv und u.a auch aus dem Grund, dass ihr dem ewigen Wegschmeißen nicht mehr zu schauen wollt? Ich bin enorm gespannt auf eure Meinung. :-)

Die Mittagszeit ist mal wieder fixer da, als man schauen kann und so langsam aber sicher gehen die Vorräte doch ganz schön zur Neige. Auf dem heutigen Plan stehen Kartoffelplätzchen mit Apfelkompott. Ein wenig angelehnt an Kartoffelpuffer, aber die mit den wenigen Sachen, die ich für diese Woche habe, herzustellen ist so ziemlich unmöglich.

Tag_5

Für das Mittagessen habe ich verbraucht: 

2 Karoffeln 313 g – 0,39 Euro
1/2 Zwiebel – 0,06 Euro 
2 Äpfel – 0,30 Euro 
20 ml Öl (Vorrat)
2 TL Zucker (Vorrat) 

Kalorien für das Mittagessen: 550 kcal

Die Kartoffeln dünn schälen und in Würfel schneiden. In etwas Wasser gar kochen. 

In der Zwischenzeit zwei Äpfel gründlich waschen und in mundgerechte Stücke schneiden. In einem Topf 2 TL Zucker leicht karamellisieren lassen. Die Äpfel dazu, gut verrühren und mit einem Schluck Wasser ablöschen. Das Kompott nun ca. 10 min auf kleiner Flamme köcheln lassen. Etwas Zimt dazu geben und gut vermengen. 

Die Kartoffeln abschütten und ordentlich zerstampfen. Die halbe gewürfelte Zwiebel zu den Kartoffeln geben.

Aus der Masse kleine Plätzchen formen und diese in etwas Öl gut anbraten. (Sie fallen vermutlich auseinander, was aber verständlich ist, weil einfach etwas zum Binden fehlt, es tut dem Geschmack aber gar nichts, es ist auch zerfallen unheimlich lecker) 

Goldbraun gebacken gab es die Taler mit dem Apfelkompott und herrje, was das ein Traum und irgendwie auch ein Soulfood. 

Ach Nachmittag gab es noch das letzte Gläschen Milchreis zu 0,30 Euro und 264 kcal 

Für das heutige Abendessen und auch das Wochenende steht ein Brotaufstrich (8 Portionen) auf dem Plan.

Dafür habe ich mir:

  • 100 g Tofu – 0,70 Euro 
  • 55 g Lauch – 0,20 Euro
  • 120 g weiße Bohnen – 0,21 Euro
  • 1 Möhre (80 g) – 0,15 Euro
  • 1 TL Öl (Vorrat)
  • Salz und Pfeffer (Vorrat) 
  • einen Schluck Orangensaft 

genommen und den Lauch, sowie die Möhre in feine Ringe geschnitten und in etwas Öl angeröstet. 

Das geröstete Gemüse in den Mixer geben, die weißen Bohnen dazu und das Gemüse zu einer feinen Masse mixen. Mit Salz, Pfeffer und einem Schluck Orangensaft (ich hab mir die übrige halbe Orange von gestern ausgepresst – 0,25 Euro und 38 kcal – einen großen Schluck getrunken und den Rest in den Aufstrich gegeben) abschmecken. 

Und kaum hatte ich mich versehen, war auch schon der Abend da und der Magen knurrte. Also ab in die Küche und zwei Scheiben Dinkelbrot 71 g zu 0,21 Euro in einer Pfanne leicht angeröstet, 10 g Alsan zu 0,03 Euro drauf geschmiert und 2 Portionen des Aufstriches zu 0,32 Euro über das warme Brot gegeben und einfach nur genossen. 

Und nun beginnt das Wochenende, der Mann ist daheim, isst eben auch daheim – ganz normal – und ich bin echt gespannt wie das wird. Mir graut es ein wenig. 

Gesamt habe ich heute für 2,79 Euro gegessen.

Kalorien für den heutigen Tag 1604 kcal. Schon viel besser, wenn auch nicht optimal. 

20 Euro – eine Woche: Tag 4

Sozusagen Halbzeit. 

Gestern hat mich euer Zuspruch auf meine Gedanken wirklich wieder sehr aufgebaut, habt 1000 Dank dafür, ich freue mich, dass ihr alle das Experiment so versteht, wie es gemeint ist und es auch selbst gut findet. 

Heute muss ich mal ganz knallhart ehrlich sein. Ich habe tierische Lust auf einen frischen Smoothie, Pasta mit mächtig viel Sojabolognese und süßen Hefebrötchen. Ich hab auf so ziemlich alles Lust, nur nicht mehr auf das, was da ist.

Das Frühstück heut muss wieder Magenfreundlich sein, das Abendessen blieb gestern wirklich nur auf dem Zettel real. Verdammte Antibiotika… 

Trotzdem, das Frühststück war gut, tat gut und sättigt enorm. 

Frühstück: 

  • 50 g Haferflocken – 0,12 Euro
  • 200 ml Sojamilch – 0,20 Euro
  • 1 EL Zucker (Vorrat)
  • 1/4 TL Zimt (Vorrat) 
  • 1 Apfel – 0,15 Euro 
  • 1 Beutel Kräutertee – 0,05 Euro 

Kalorien Frühstück: 334 kcal  

Der Vormittag verfliegt heut ein wenig, ich hab hier und da zu tun, arbeite ein wenig, telefoniere mit meinem Papa ( der Sorgen hat, dass ich nicht genug Geld für Essen habe *g* dann aber versteht, dass es wirklich nur ein Experiment ist) und schon ist wieder Zeit zum Mittagessen. 

Von gestern ist noch die Sauce da, das war etwas ungeplant, kommt dem Budget aber wirklich entgegen. Also ein wenig geschaut was da ist und was ich – laut Plan – überhaupt irgendwo heraus nehmen kann und los geht es. Heraus kommt ein bunter Teller. Ein leckerer bunter Teller der satt macht. Sehr satt. 

Tag_4_1 Tag_4_2

Das Mittagessen enthielt: 

1/2 Zwiebel – 0,06 Euro 
Kartoffel (148 g ) – 0,19 Euro
10 ml Öl (Vorrat) 
Salz Pfeffer (Vorrat)
150 g weiße Bohnen – 0,27 Euro
Rest Sauce von gestern – 0,71 Euro

Kalorien Mittagessen: 431 kcal 

Die Zwiebel und die Kartoffel dünn schälen und in feine Würfel schneiden. In etwas Öl knusprig anbraten. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Fertig. 

Zum Nachtisch gibt es noch einen Müsliriegel zu 0,11 Euro und 119 kcal. 

Ich weiß nicht ob ihr es merkt, aber heut geht mir das Experiment auf die Nerven. Ich wollte hier immer ehrlich sein, deswegen muss ich mir heut einfach den Frust von der Seele schreiben.

Und ärgere mich zeitgleich über mich selbst. Wie kann ich überhaupt so frustriert sein? Verdammt, EINE WOCHE, eine verdammte Woche…das ist gar nichts. Andere Menschen müssen ewig so leben, viele haben sich das so nicht mal ausgesucht. Wusstet ihr, dass es viele Rentner gibt, die nicht mehr Geld zum leben haben als diese 20 Euro die Woche?
Ist das nicht irre und irre traurig? 

Und ich sitze hier und heul fast, weil es mich so nervt so unflexibel zu sein. Der Tee nervt mich, ich würde so gern zu meinem Kusmi Tee greifen, ich würde mir gern frischen Ingwer in den Tee machen und ich würde gern einen riesigen Teller Nudeln essen und danach Kuchen backen.

Ich bin so genervt von mir selbst…als gäbe es keine anderen Probleme nervt es mich an, dass ich mal eine Woche unflexibel bin. Waaaah. Pure Luxusprobleme. 

Das Wort des Tages: Luxusproblem. Ich werde es sicher noch öfter erwähnen. 

Wisst ihr, heut stand ich sicher 10 Minuten vor einer kleinen Flasche richtig guter Ingwerlimonade, die habe ich mir letzten Samstag im Veganz gegönnt. Ich stand also vor ihr und starrte sie an und überlegte ernsthaft die jetzt einfach aufzumachen. Als Trost. 

Bewusst wurde mir da mal wieder wie sehr unsere Gefühlswelt mit dem Essen und Trinken verknüpft ist. Wir belohnen uns mit Essen und wir trösten uns damit, wir sehen es aber nicht als pure Nahrungsaufnahme.

Und warum?

Weil wir es können. Wir können es als Genuss sehen, wir sind nicht darauf angewiesen an
100 g Nudeln zu sparen oder an den fruchtigen Orangen oder den saftigsten Äpfeln. Wir legen sie in den Korb, kaufen sie und geniessen sie. 

Daran ist gar nichts schlecht, es ist gut zu genieße…es zeigt aber auch wie abhängig wir von all dem sind. 

Haben wir diesen Luxus nicht, dann dreht sich die Gefühlswelt, die Gedanken kreise und die Stimmung kippt und ich glaube genau das passiert gerade bei mir. 

Anders z.B. als bei meiner relativ veganen Ernährung bei der ich mir selbst nichts verbiete und eher neue wundervolle geschmackliche Erkenntnisse erlangt habe, muss ich mir in dieser Woche viel verbieten. Um wirklich realistisch zu berichten wie es sich anfühlt mit so einem kleinen Budget auszukommen. 

Mein Gefühlszentrum kämpft gerade mit mir und ich versuche ihm zu vermitteln, wie blöde es doch ist. Liebes Gefühlszentrum, wir bekommen was in den Bauch, haben es warm und haben auch – fast – genug, also verdammt noch mal stell dich nicht so an und hör auf zu heulen, es gibt Menschen denen geht es wirklich schlecht und du kommst mir hier mit deinen Luxusproblemen. 

Die Limo bleibt zu und ich streck ihr die Zunge raus. 

Irgendwie geht es mir jetzt besser und ich freu mich schon auf das Abendbrot, welches heut sehr frisch wird. Ich plane eine Weißkohlsalat mit Apfel und etwas Orangensaft. Fast wie ein bisschen Frühling auf dem Teller. 

Ich muss schon fast über meine Heulerei von vorhin lachen und streck der Flasche Limo noch einmal die Zunge raus. 

Vom „Ausmass“ des Abendbrotes bin ich dann sehr beeindruckt. Vor mir steht ein Teller mit zwei Broten, eine große Schüssel mit Weißkohlsalat und ein Schüsselchen Bananen Joghurt. Gefällt mir! :-) 

Und dank dem Tipp einer lieben Leserin gibt es zum Abendbrot eine Kanne Apfeltee. In dem enthalten ist ein viertel Apfel (in Scheiben) und das Kerngehäuse (kann ja nicht schaden), sowie zwei Datteln (9 g) zu 0,05 Euro

Für das Abendbrot habe ich verbraucht: 

150 g Weißkohl 
1 Apfel – 0,15 Euro 
Saft einer halben Orange – 0,25 Euro
2 Scheiben Dinkelbrot (60 g) – 0,17 Euro
10 g Alsan – 0,03 Euro
100 g Sojaghurt – 0,42 Euro
1 Banane – 0,26 Euro 

Kalorien fürs Abendbrot: 258 kcal 

Das Drama passiert, als ich gemütlich auf dem Sofa sitze, mein Brot esse und den Salat probiere. 

Was ist das für ein Geschmack? Bäh…das schmeckt nach Chlor. Wieso schmeckt das nach Chlor? Ich renne in die Küche und rieche am Kohl, der riecht auch so. Börgs. Was ist das nur? 

Mir wird schlagartig klar, dass der Kohl nicht mehr genießbar ist, der 3/4 Apfel darin umsonst war und ich eine halbe Orange für NICHTS verbraucht habe.

Mein ganzer Plan ist über den Haufen geworfen. Der Kohl war verplant und nun sitz ich hier und möchte wieder weinen. 

DAS ist heute nicht mein Tag. Wie konnte das nur passieren? :-( 1,44 Euro hat der Weißkohl gekostet und ich muss ihn komplett entsorgen. Verdammt. Dazu der Apfel und die halbe Orange…das ist Mist, das ist unfair…

Das Budget für heute…man mag kaum drüber reden… 4,48 Euro steht am Ende des Tages unterm Strich. Weil der Kohl mies war…

Über die Kalorien mag ich kaum reden, magere 1142 kcal…

Ich geh in die Küche, schnapp mir heulend die Limo und will diesen verdammten Tag nur vergessen.

Vergebt mir, ich hab mit der Limo gesündigt.