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20 Euro – ein Woche: Tag 7 und das Fazit

Tag 7, die Woche ist vorbei. Ging zum Schluss dann doch schneller als ich schauen konnte. 

Da das Fazit sicher ein paar Sätze mehr beinhalten wird, halte ich mich mit dem Tagesablauf heute etwas kürzer und geb euch lediglich die Listen an die Hand. :-) 

Frühstück:

  • 3 Müsliriegel – 0,33 Euro
  • 1 Apfel – 0,15 Euro
  • 1 TL Sirup – 0,03 Euro
  • 100 g Sojajoghurt – 0,42 Euro

Kalorien Frühstück: 499 kcal (Yeahha) 

Mittagessen: 

  • 75 g Graupen – 0,18 Euro 
  • 200 g Bohnen – 0,35 Euro 
  • 400 ml Wasser plus 1 Brühwürfel – 0,17 Euro
  • 1/2 Möhre 45 g  – 0,09 Euro 

Kalorien Mittagessen: 482 kcal 

Tag 7 (2 von 2)

Die halbe Möhre in feine Würfel schneiden. 

In der Gemüsebrühe die Graupen und die Möhren ca. 20 Minuten köcheln lassen. Bohnen dazu und als Eintopf genießen. :-) 
(Macht gut satt!) 

Abendessen

  • 2 Scheiben Dinkelbrot 70 g (in der Pfanne geröstet) zu 0,21 Euro  
  • 10 g Alsan zu 0,03 Euro 
  • 4 Portionen (Rest) des Aufstriches zu 0,64 Euro 

Kalorien Abendessen: 439 kcal 

Gesamtausgaben am 7. Tag: 2,60 Euro
Kalorien gesamt: 1420 kcal 

Ihr Lieben,

nun ist es vorbei, das Experiment. 7 Tage lang wollte ich wissen wie man mit 20 Euro auskommen kann, wenn man einen Großteil Biolebensmittel einkauft.

Und irgendwie war genau dieses Thema das, was sich ganz schnell in den Hintergrund gedrängt hat.

Schnell ging es eigentlich um ganz andere Dinge und Gedanken. Bio stand gar nicht mehr wirklich im Vordergrund, eher der Gedanke “Wie geht es überhaupt mit 20 Euro in der Woche?” Fest steht, mit Bio ist es möglich…aber zu welchem Preis? Mein Preis war, dass ich kaum auf ein annähernd gutes Kalorienziel am Tag kam. Mir ging es von Tag zu Tag schlechter, kann man so sagen. Ich bin blass geworden, fühlte mich schlapp, unausgeglichen, motzig und ich merkte, dass mir so vieles fehlt. Vitamine, Eiweiße, Ballaststoffe…was das alles auslöst brauch ich euch nicht erzählen, das wird euch bewusst sein. (Erschreckend, dass sich das überhaupt schon nach so kurzer Zeit bemerkbar macht.) 

Auch ist mir sehr schnell klar geworden, das mein Plan völlig falsch war. Ich hätte das Experiment ganz anders aufziehen müssen. Ich hab so viel vergessen was man so im normalen Alltag braucht. Tja, das ist wieder das Thema “Wir haben es ja und merken es erst, wenn es fehlt.” 

Es ist schwierig so etwas für eine Woche zu planen, mich wundert gar nicht, dass ich so viel vergessen habe und nicht richtig eingeplant habe. Hätte ich das Experiment einen Monat durchgeführt, mit 80 Euro. Ich hätte vööööllig anders eingekauft. Aber gut, daraus lernt man ja und meine täglichen Pläne hier sind nur ein minimaler Einblick in eine Welt, in der man tatsächlich nur 20 Euro in der Woche zur Verfügung hat. 

21,49 Euro habe ich in dieser Woche verbraucht. Ganz nah am Ziel vorbei und ich kann mich gerade mit mir selbst nicht einigen, ob das Experiment nun gelungen oder gescheitert ist. Denn wie ich oben schrieb, irgendwie gehen meine Gedanken schon seit dem zweiten Tag in eine ganz andere Richtungen, deswegen steht bei mir am Ende ein ganz anderer Punkt an erster Stelle. 

WIE fühlt es sich eigentlich an mit so wenig Geld zu leben? 

Ich kann nicht mal sagen – trotz einiger Zwischenfälle – dass es sich ganz furchtbar schlimm angefühlt hat. Das hat es nicht, ich denke hätte ich vorab noch besser geplant, vielleicht sogar einen Monat bewusst erlebt oder weniger den Fokus auf die Biolebensmittel gelegt, dann wäre es sogar gegangen, ABER auch nur, weil ich ein wenig Ahnung habe von dem, was ich hier tue.

Kochen ist für mich kein fremdes Gebiet, ich kann aus Resten tolle Sachen zaubern, mit wenig viel auf den Teller bringen…aber das kann nicht jeder und leider bekommen viele Menschen mit wenig Budget niemanden an die Hand, der ihnen dabei hilft. Und das ist unheimlich schade.

Schon lange finde ich, dass das Unterrichtsfach Ernährung und Umgang mit Geld an unsere Schulen gehört, viel wird gelernt, das was wirklich wichtig ist und am Ende bleibt, das bleibt außen vor.

“Macht schon die Außenwelt.” In vielen Fällen macht sie das aber eben nicht, weil sie es auch nie gelernt hat. Wie soll also ein Mensch mit geringem Budget wissen, dass die ewigen Fertiggerichte zwar billige Kalorien liefern, aber für die Gesundheit auf Dauer einfach nicht gut sind? Ich gebe zu, auch ich hab früher oft gedacht “Ach, es wird nicht so schwer sein von einem Hartz4 Budget zu essen.”

Aber doch, es ist schwer, wenn man niemanden an die Hand bekommt, der einen mal ein klein wenig unterstützt und zeigt wie man günstig und trotzdem gesund kochen kann und selbst dann ist das Budget noch gering. Schaut euch die Lebensmittelpreise an. Sie steigen. Immer wieder. Obst und Gemüse sind so teuer wie noch nie und dann steht man da mit seinen 20 Euro Wochenbudget und investiert es dann doch lieber in billige Kalorien.

Ich kann das – jetzt –  verstehen und auch ein wenig nachempfinden. 

Diese Experiment hat mir enorm viel gezeigt und auch viel über mich selbst gelehrt. Ich dachte nie, dass Essen SO wichtig für mich ist, dass es mich so umhaut, nicht mehr frei essen zu können, so intensiv zu planen. Normalerweise schreibe ich auch Pläne, aber die hau ich auch gern mal auf den Kopf und koche völlig anders, als ich es zuerst gedacht habe oder gehe dann eben doch mal essen. 

DAS ist einfach nicht möglich, wenn man auf das – sehr kleine – Budget achten muss. Man hat nicht die Wahl. Und wenn man bedenkt, dass das nicht nur Hartz4 Empfänger trifft (die ggf. nur gewisse Zeit so leben müssen), sondern auch und gerade die Rentner und Studenten, dann ist es schon sehr traurig, denn hoch gerechnet sind das eine Menge Menschen. 

Ab morgen werde ich wohl noch bewusster leben, so ein Experiment mit so vielen Eindrücken kann nicht spurlos an einem vorbei gehen. Ich habe das Gefühl, dass ich unsere täglichen Lebensmittel und meine täglich Auswahl und die Möglichkeiten einfach noch mehr zu schätzen gelernt habe. Natürlich, ich freue mich schon, dass ich jetzt wieder völlig normal essen “kann”, dass ich nicht in der Situation bin, dass es mir schlecht geht, aber ich bin glücklich darüber, dass ich es mal gespürt habe. Denn man muss Dinge selbst erleben um sie zu verstehen. 

Ich danke euch von Herzen, dass ihr so aktiv dabei wart. Eure Kommentare haben mich erheitert, aufgemuntert, mit Mut versehen und auch zum Nachdenken gebracht. Ihr wart ein großer Teil des ganzen Experimentes hier. Deswegen, von ganzem Herzen DANKE! Und ich wünsche mir sehr, dass ich euch auch ein klein wenig zum Nachdenken angeregt habe. :-) 

Ich werde jetzt ggf. ein paar Tage Blogpause einlegen und einfach einmal nachwirken lassen und auch wenn oft danach gefragt wurde, ich werde hier keine Liste meines normalen Alltags niederschreiben, denn für mich fühlt sich das gerade ziemlich falsch an. Ich hoffe ihr versteht das. :-) 

Lasst es euch gut gehen, wir lesen uns bald wieder,
eure Franzi :-) 

PS: Ich möchte an dieser Stelle einmal das Tauschticket Forum grüßen, meine roten Schuhe in die Luft halten und rufen “ich bin es wirklich” ;-) 

Zusammenfassung des Experiments 

Tag 1
Tag 2
Tag 3
Tag 4
Tag 5
Tag 6
Tag 7

 

20 Euro – eine Woche: Tag 6

Ich wache heute ziemlich matschig auf, mein Kopf dröhnt immer noch und alles in allem fühl ich mich irgendwie niedergeschlagen. Gibt gar keinen richtigen Grund, aber ich fühl mich wie einmal durch den Kanal gezogen. Kann auch echt alles noch an den Antibiotika liegen. Blödes Zeug (hab ich diese Woche sicher schon mal erwähnt, muss aber noch mal raus.) 

Frühstück, wie gestern. Das war einfach zu lecker und gut. :-) 

  • 2 Müsliriegel – 0,22 Euro
  • 20 g Haferflocken – 0,05 Euro
  • 50 ml Sojamilch – 0,05 Euro
  • 1 Apfel – 0,15 Euro
  • 1 Tl Sirup – 0,03 Euro
  • 2 Beutel Kräutertee – 0,11 Euro

Kalorien fürs Frühstück: 425 kcal 

Meine Gedanken kreisen heute rund um dieses Experiment. Ist es richtig, was ich hier mache? Trete ich jemandem auf die Füße, unbewusst? 

Ein Richtig oder Falsch zu finden ist so schwer. Wenn ich schreibe “Es ist schwer, ich hab Hunger” kann es als jammern ausgelegt werden, sage ich, dass alles gut ist, das Essen reicht etc, dann kann es passieren, dass jemand sagt, dass ich damit suggeriere, dass wenig Geld doch zum leben reichen würde. Tja, wie man es macht…

Da einen Mittelweg zu finden ist gar nicht so einfach. Vor allem, weil ich dieses Experiment eben auf Ehrlichkeit aufbauen möchte. Soll ich jetzt schweigen, wenn ich eigentlich Hunger habe und weiß, dass es definitiv zu wenig war? Soll ich schweigen, wenn ein Tag gut war und das Essen super? Ach, ich glaube ich mich mir zu viele Gedanken um Sachen, die von anderen gedacht werden. 

Eigentlich eine gute Übung um einmal Abstand von solchen Sachen zu gewinnen. 

Und Abstand finde ich heut in einem tollen Shooting mit einer wundervollen Kollegin, die Kälte pustet den Kopf wieder frei und zum Mittag mach ich mir einen großen Teller Nudeln. Tut gut. So allgemein und dem Bauch. 

Tag 6 (1 von 2) Tag 6 (2 von 2)

Verbraucht habe ich: 

  • 100 g Nudeln – 0,48 Euro
  • 1 Brühwürfel – 0,17 Euro
  • 1/2 Lauchzwiebel – 0,20 Euro
  • 1/2 Möhre 45 g – 0,09 Euro
  • 2 TL Tomatenmark 20 g – 0,16 Euro
  • 300 ml Wasser
  • 50 ml Sojamilch – 0,05 Euro 

Kalorien Mittagessen: 502 kcal 

Die Nudeln wie gewohnt kochen. 

Möhre und Lauchzwiebel waschen und schälen, in kleine Würfel schneiden. 

In etwas Öl leicht anbraten, Tomatenmark dazu geben und mit 300 ml Gemüsebrühe ablöschen. 50 ml Sojamilch dazu. Gut verrühren und noch ca. 15 min. leicht köcheln lassen. 

Nudeln sind schon wirklich etwas feines. Im Falle eines Falles kann man diese aber noch viel günstiger kaufen. Dass ich mich zu Anfang für die Dinkelnudeln entschieden habe, lag daran, dass ich bis Dienstag noch nicht wusste, ob ich eine Weizenallergie habe oder nicht.

Zu Anfang des Experiments und auch bei der Vorbereitung schwebte der Verdacht im Raum. Ich weiß jetzt aber, dass ich glücklicherweise keine Allergie habe.

Im Nachhinein hätte ich mich also für eine günstiger – und größere – Packung Vollkornnudeln entschieden. Ihr seht, da kann man ordentlich Geld sparen. Bei Alnatura kostet die 500 g Packung Vollkornnudeln 0,99 Euro, die Dinkelnudeln hier (250 g) haben 1,09 Euro gekostet. 

Ich hab das Gefühl meine Müdigkeit wird immer schlimmer, ich wache müde auf und verbringe den Tag müde. Elendes Gefühl. Träge fühl ich mich und ich merke sehr, dass mir Gemüse und Obst in größeren Mengen fehlen.

Der eigentlich eingeplante Kohl eben. Das Desaster macht sich ziemlich bemerkbar. 

Übrig sind jetzt noch eine halbe Möhre und ein paar Äpfel, aber gut, für morgen reicht das noch locker. 

Zum Abendbrot mach ich mir wieder die leckeren Brote mit dem Gemüseaufstrich. Da das Brot langsam trocken wird, ist es leicht angeröstet wirklich enorm lecker und schon fast wieder frisch. :-) 

  • 2 Scheiben Dinkelbrot 66 g (in der Pfanne geröstet) zu 0,19 Euro  
  • 10 g Alsan zu 0,03 Euro 
  • 2 Portionen des Aufstriches zu 0,32 Euro 

Kalorien Abendbrot: 342 kcal 

Ich nehm mir noch 5 Datteln (44 g zu 0,22 Euro und 125 kcal) zum snacken. 

Gesamt habe ich heute 2,52 Euro fürs Essen ausgegeben und 1393 kcal zu mir genommen. Hm. Nun ja. 

Morgen ist der letzte Tag. Ich hoffe es nimmt mir jetzt niemand übel, wenn ich sage, dass ich froh bin.

Und ich glaube der Mann neben mir ist es auch, der bekommt gerade ganz schön viel ab. 

An dieser Stelle, verzeih mir mein Liebster. 

20 Euro – 1 Woche: Tag 5

Tag Nr. 5

Ein neuer Tag, den gestrigen einfach mal vergessen. War riesiger Mist und regt mich wieder sehr zum nachdenken an. 

Was für mich nur in dieser Woche “tragisch” ist, ist für andere ein normales Leben. Das hinterlässt in einem selbst doch eine Menge Spuren. 

Der Tag fängt gut an, ich geh nämlich zum Schneeschieben raus. Jaaaaaa, es hat endlich ein wenig geschneit. Juhu. Ich starte also gleich mal super fröhlich in den Tag. :-) 

Von gestern ist noch eine 3/4 Kanne Apfeltee da, was gestern Abend noch so “na ja, geht schon” war, ist heute in der Früh einfach nur phänomenal lecker. Süß, fruchtig…ich hüpf erst mal kichernd im Kreis. Welch Bereicherung. So etwas kleines kann so viel Freude auslösen.

Wahnsinn. (Und im Laufe des Tages gieße ich den einfach wieder auf und geb noch die frischen “Reste” vom Apfelkompott hinzu und habe somit 0,11 Euro für den Kräutertee am heutigen Tag gespart.) 

Meine Freunde fragen mich, was ich am Montag als erstes kochen werde. Ich werde gar nicht kochen, ich werde zuerst einen Kuchen backen. So einen richtig schön saftigen Marmorkuchen. Danach gelüstet es mich schon die ganze Zeit. ;-) 

Nun gut, noch ist nicht Montag und noch habe ich drei Tage vor mir und viele Gedanke zu Ende zu denken. Beginnen wir mit dem Frühstück,  da war ich heute gleich mal wild und hab ganz frech zwei Müsliriegel “geopfert” um es einmal knuspriger zu gestalten. 

Zum Frühstück verbraucht habe ich:

2 Müsliriegel – 0,22 Euro
20 g Haferflocken – 0,05 Euro
200 ml Sojamilch – 0,20 Euro
1 Apfel – 0,15 Euro

Kalorien Frühstück: 397 kcal
Fängt doch gut an. :-)  

Wohlig satt mach ich mich – mit Apfeltee – und Wärmflasche ein wenig an die Arbeit.

Komisch fühl ich mich heut, ich hab Kopfweh, mir ist kalt und ich bin so, so, so müde. Muss man sich noch wundern, dass Menschen mit wenig Budget für Lebensmittel irgendwie träger werden? 

Ich recherchiere noch ein wenig zum Thema Containern. Meine Gedanken kreisen ja schon die ganze Woche über die möglichen Alternativen der Lebensmittelbesorgung im Fall der Fälle.

(Anmerkung: Ich möchte hier mit dem Bericht, dem Interview etc. niemanden dazu bewegen etwas illegales zu tun oder “im Müll zu wühlen”, es ist lediglich ein Thema, welches ich in dem Zuge des Experimentes behandeln möchte und welches ich persönlich sehr interessant finde.)

Woher kann man Lebensmittel bekommen wenn das Geld sehr knapp ist, es nicht reicht, eine Tafel fern ist? Ich denke diese Gedanken würde sich jeder machen, der in so einer Situation ist, oder? 

Containern ist sicher nichts für jeden, ich selbst bin auch nicht sicher, ob es mein Ding wäre. Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich es aus finanzieller Sicht wirklich nicht brauche, aber gleichzeitig kotzt es mich tierisch an WAS da alles in den Tonnen landet und verstehe diese Bewegung nur zu gut.

Man findet Lebensmittel die noch absolut in Ordnung sind, in größten Mengen…es ist traurig. So traurig. 

Bei all dem was alles aus den Containern geholt wird, da stockt mir manchmal echt der Atem, in diesem Bericht hier könnt ihr das ganz wunderbar anschauen. 

Von vielen Menschen erfuhr ich in den letzten Tagen, dass sie containern. 
Mit Erfolg, mit Leidenschaft, mit politischem und gesellschaftlichem Interesse und auch oft aus Gründen der puren Armut. Die Menschen hinter dem Thema “Containern” haben so viele Gesichter. 

Deswegen habe ich ein paar aktive “Containerer” befragt um noch mehr Antworten zu diesem sensiblen Thema zu bekommen.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an euch, dass ihr so offen und ehrlich wart. :-) 

 1. Seit wann containerst du und was dahingehend dein persönlicher Antrieb?

F.: Ich selber geh erst seit ca einem Monat Containern, habe aber über Bekannte schon vorher davon “Profitiert”, was dann letztendlich auch zu dem Entschluss beigetragen hat selber mal “loszuziehen”.
Mein Persönlicher Antrieb ist in Erster Linie ( zugegebener Maßen) die finanzielle Seite, denn man kann schon ziemlich viel Geld dadurch sparen. Hinzu kommt aber auch, dass ich es unsinnig finde Lebensmittel, welche nicht mehr zu 100% Den optischen Ansprüchen entsprechen einfach in den Müll zu werfen anstatt sie günstiger zu verkaufen oder zu Spenden, wodurch sich das Thema Welthunger bestimmt dezimieren lassen würde.

 L.: Ich habe letztes Jahr das erste Mal containert. Wollte das vorher schon mehrere Jahre mal ausprobiert haben, aber hatte niemanden, die/der mich mal mitnehmen konnte. Mein persönlicher Antrieb liegt darin, dass ich nicht mit ansehen möchte, dass so viele noch essbare Lebensmittel weggeworfen werden. Obst und Gemüse, das eine kleine nicht nicht perfekte Stelle hat. Genau wie Trockenprodukte, deren MINDESThaltbarkeitsdatum “abgelaufen” ist, können noch super gegessen werden und sind nicht minder schmackhaft.

R.: Ich containere noch nicht sehr lange. Das erste Mal war ich 2011 unterwegs, allerdings einmalig, dann letztes Jahr hier und da ein paar Mal. So richtig erst seit diesem noch recht jungen Jahr. Ich bin da noch ganz grün hinter den Ohren. Dazu entschlossen habe ich mich, da ich es beschämend finde, wie viele Lebensmittel weggeschmissen werden, vor allem tierische, wie viele Tiere also völlig umsonst leiden mussten und wie viele Menschen gleichzeitig hungern oder nur gerade eben so satt werden.

 2. Containern in deinen Augen, legal oder illegal?

F.: Mir ist bewusst, dass Containern nicht legal ist, aber ich bin der Meinung, dass es keinem Menschen etwas nützt diese Lebensmittel einfach zu entsorgen und es niemandem schadet, wenn ich mir das nehme was ich gebrauchen kann. Ausserdem hat mir bisher noch niemand gesagt dass es illegal ist, also sehe ich es für mich als legal an :-D

L.: Rechtlich gesehen ist es illegal. Ich sehe es für mich persönlich als eine Grauzone, in der ich mich bewege. Was ich nicht mache, sind Gitterboxen oder Container aufzubrechen. Es ist zwar sehr schade, wenn Supermärkte ihren Müll wegsperren, weil sie wissen, dass sonst containert werden könnte, aber dennoch setze ich mich nicht darüber hinweg. Ich kenne einige Container, die gut und einfach zugänglich sind. Auch ist mir wichtig, den Platz hinterher so zu verlassen wie ich ihn vorgefunden habe, wenn nicht sogar ordentlicher, um die Mitarbeiter_innen der Supermärkte nicht zu verärgern. 

R.: Rechtlich mag es illegal sein, für mich ist es legal, da ich es kein bisschen ethisch verwerflich finde. Man schadet damit niemandem, wenn man nichts kaputt macht. Die Sachen wurden weggeschmissen, dass da also noch Besitzansprüche dran gestellt werden können, finde ich krank.

3. Wenn du los ziehst, was bringst du aus den Tonnen mit?

F.: Meistens finde ich Bananen, Kartoffeln, Brot, Gemüse wie Paprika, Tomaten und Möhren oder Obst (Meistens Äpfel, Zitrusfrüchte, Mangos und Avocados). Seltener finde ich mal Milchprodukte und Wurstwaren die noch “verwertbar” sind, wobei das natürlich stark jahreszeitenabhängig ist (Im Winter hält es sich frisch)

L.: Ich ziehe nach Ladenschluss los. Meist nach Mitternacht. Da ich vegan lebe, containere ich auch nur vegane Produkte, in der Regel Obst und Gemüse. Ich konnte aber auch schon Blumensträuße retten und sie nochmals in einer Vase aufblühen lassen.

R.: Ich bin ja noch nicht so lange dabei, daher ist das sicher keine repräsentative Antwort. Am meisten habe ich bisher Milchprodukte und Fleisch gefunden. Sowas verteile ich dann weiter an Menschen, die es essen möchten. Auch Obst findet man oft, z.B. Ananas, Bananen oder Orangen. Brot bekommt man auch massenweise. Generell nehme ich soweit möglich alles mit, was noch gut aussieht und verteile es dann weiter, ich containere nicht nur für mich. Man kann sagen, dass es im Prinzip nichts gibt, was nicht weggeworfen wird, sollte es auch noch so abwegig sein.

4. Was hat dich beim containern am meisten erschreckt, was hat dich besonders gefreut?

F.: Am Meisten erschreckt hat mich die irrsinnige Menge an Produkten, die ihr Mindesthaltbarkeitsdatum nicht erreicht/überschritten haben und nur aus optischen Gründen weggeworfen wurden (Brote die an einigen Stellen abgeknickt waren, Produkte mit schief geklebten Etiketten ö.ä.) Gefreut habe ich mich als ich bemerkt habe, wie sehr mir das Containern finanziell hilft.

L.: Was mich jedes Mal erschreckt sind die unfassbar großen Mengen an Lebensmitteln, die weggeworfen werden. Ich freue mich über jedes einzelne Lebensmittel, das ich retten kann. Besonders habe ich mich aber mal über eine Packung Blaubeeren gefreut. Die hatte ich davor schon längere Zeit nicht mehr gegessen, weil sie mir in der Regel zu teuer sind.

R.: Erschreckt haben mich die Massen, die da sinnlos im Müll landen. Unnötiges Tierleid, unnötige Ressourcenverschwendung, Müllproduktion, unnötiger Hunger. Und das nur, damit die Regale immer alle voll sind, es darf nie etwas fehlen. Gefreut hat mich der Umgang der Foodsaver untereinander, hier habe ich bisher sehr viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft erlebt, wir ziehen ja irgendwie alle am gleichen Strang.

5. Zu wie viel % bestimmt das Containern deinen Speiseplan? Was sparst du so ca.?

F.: Das Container bestimmt meinen Speiseplan in den Tagen nachdem ich unterwegs war sehr stark, weil die Lebensmittel manchmal sehr schnell verarbeitet werden müssen. Deshalb weiß man nie was dann an Essen auf den Tisch kommt (Gemüsesuppen und Eintöpfe sind recht häufig dabei). Sparen tue ich im Moment so ca zwischen 100 und 200 Euro pro Monat, weil ich bisher noch keine Liste aufgebaut habe, wann ich wo hin muss um möglichst viel zu finden.

L.: Das kann ich nicht genau sagen, da ich momentan aus zeitlichen Gründen nicht regelmäßig containere. Ich schätze, dass ich je nach Ausbeute Lebensmittel mit einem Warenwert von 5-40 Euro pro Containerabend rette. Einige Lebensmittel wie Bananen, Gurken, Kartoffeln und Brokkoli finden sich besonders oft. Salatköpfe finden sich auch oft in den Tonnen, die sind aber in der Regel wirklich matschig und nicht mehr genießbar. Bei Trockenprodukten wie Nudeln oder Reis muss Mensch Glück haben. Brot findet sich ebenso sehr oft in den Containern.

R.: Diese Frage kann ich noch nicht so beantworten, da ich dafür noch nicht lange genug dabei bin. Als Veganer_in ist es vermutlich schwieriger, sich ganz aus der Tonne zu ernähren, denn am meisten findet man meiner Erfahrung nach Milch- und Fleischprodukte, bei Obst und Gemüse muss man aufpassen, das ist dann leider oft wirklich schon etwas gammelig, wobei man da auch super Sachen finden kann. So Sachen wie Reis, Getreide etc. habe ich bisher nicht gefunden, die muss ich also nach wie vor kaufen. Ich schätze im Moment sind es so ca. 20-30%, wie viel ich damit spare ist auch schwer zu sagen. Ich weiß aber, dass ich meine Ausgaben für Lebensmittel drastisch reduzieren könnte, wenn ich noch mehr containern würde. Ich kenne einige Foodsaver, die gar nicht oder so gut wie gar nicht mehr regulär einkaufen.

Was eure Meinung zu diesem Thema? Habt ihr in kargen Zeiten darüber nachgedacht? Macht ihr es sogar aktiv und u.a auch aus dem Grund, dass ihr dem ewigen Wegschmeißen nicht mehr zu schauen wollt? Ich bin enorm gespannt auf eure Meinung. :-)

Die Mittagszeit ist mal wieder fixer da, als man schauen kann und so langsam aber sicher gehen die Vorräte doch ganz schön zur Neige. Auf dem heutigen Plan stehen Kartoffelplätzchen mit Apfelkompott. Ein wenig angelehnt an Kartoffelpuffer, aber die mit den wenigen Sachen, die ich für diese Woche habe, herzustellen ist so ziemlich unmöglich.

Tag_5

Für das Mittagessen habe ich verbraucht: 

2 Karoffeln 313 g – 0,39 Euro
1/2 Zwiebel – 0,06 Euro 
2 Äpfel – 0,30 Euro 
20 ml Öl (Vorrat)
2 TL Zucker (Vorrat) 

Kalorien für das Mittagessen: 550 kcal

Die Kartoffeln dünn schälen und in Würfel schneiden. In etwas Wasser gar kochen. 

In der Zwischenzeit zwei Äpfel gründlich waschen und in mundgerechte Stücke schneiden. In einem Topf 2 TL Zucker leicht karamellisieren lassen. Die Äpfel dazu, gut verrühren und mit einem Schluck Wasser ablöschen. Das Kompott nun ca. 10 min auf kleiner Flamme köcheln lassen. Etwas Zimt dazu geben und gut vermengen. 

Die Kartoffeln abschütten und ordentlich zerstampfen. Die halbe gewürfelte Zwiebel zu den Kartoffeln geben.

Aus der Masse kleine Plätzchen formen und diese in etwas Öl gut anbraten. (Sie fallen vermutlich auseinander, was aber verständlich ist, weil einfach etwas zum Binden fehlt, es tut dem Geschmack aber gar nichts, es ist auch zerfallen unheimlich lecker) 

Goldbraun gebacken gab es die Taler mit dem Apfelkompott und herrje, was das ein Traum und irgendwie auch ein Soulfood. 

Ach Nachmittag gab es noch das letzte Gläschen Milchreis zu 0,30 Euro und 264 kcal 

Für das heutige Abendessen und auch das Wochenende steht ein Brotaufstrich (8 Portionen) auf dem Plan.

Dafür habe ich mir:

  • 100 g Tofu – 0,70 Euro 
  • 55 g Lauch – 0,20 Euro
  • 120 g weiße Bohnen – 0,21 Euro
  • 1 Möhre (80 g) – 0,15 Euro
  • 1 TL Öl (Vorrat)
  • Salz und Pfeffer (Vorrat) 
  • einen Schluck Orangensaft 

genommen und den Lauch, sowie die Möhre in feine Ringe geschnitten und in etwas Öl angeröstet. 

Das geröstete Gemüse in den Mixer geben, die weißen Bohnen dazu und das Gemüse zu einer feinen Masse mixen. Mit Salz, Pfeffer und einem Schluck Orangensaft (ich hab mir die übrige halbe Orange von gestern ausgepresst – 0,25 Euro und 38 kcal – einen großen Schluck getrunken und den Rest in den Aufstrich gegeben) abschmecken. 

Und kaum hatte ich mich versehen, war auch schon der Abend da und der Magen knurrte. Also ab in die Küche und zwei Scheiben Dinkelbrot 71 g zu 0,21 Euro in einer Pfanne leicht angeröstet, 10 g Alsan zu 0,03 Euro drauf geschmiert und 2 Portionen des Aufstriches zu 0,32 Euro über das warme Brot gegeben und einfach nur genossen. 

Und nun beginnt das Wochenende, der Mann ist daheim, isst eben auch daheim – ganz normal – und ich bin echt gespannt wie das wird. Mir graut es ein wenig. 

Gesamt habe ich heute für 2,79 Euro gegessen.

Kalorien für den heutigen Tag 1604 kcal. Schon viel besser, wenn auch nicht optimal.