Schlagwort-Archive: Wochenplan

20 Euro – eine Woche: Tag 4

Sozusagen Halbzeit. 

Gestern hat mich euer Zuspruch auf meine Gedanken wirklich wieder sehr aufgebaut, habt 1000 Dank dafür, ich freue mich, dass ihr alle das Experiment so versteht, wie es gemeint ist und es auch selbst gut findet. 

Heute muss ich mal ganz knallhart ehrlich sein. Ich habe tierische Lust auf einen frischen Smoothie, Pasta mit mächtig viel Sojabolognese und süßen Hefebrötchen. Ich hab auf so ziemlich alles Lust, nur nicht mehr auf das, was da ist.

Das Frühstück heut muss wieder Magenfreundlich sein, das Abendessen blieb gestern wirklich nur auf dem Zettel real. Verdammte Antibiotika… 

Trotzdem, das Frühststück war gut, tat gut und sättigt enorm. 

Frühstück: 

  • 50 g Haferflocken – 0,12 Euro
  • 200 ml Sojamilch – 0,20 Euro
  • 1 EL Zucker (Vorrat)
  • 1/4 TL Zimt (Vorrat) 
  • 1 Apfel – 0,15 Euro 
  • 1 Beutel Kräutertee – 0,05 Euro 

Kalorien Frühstück: 334 kcal  

Der Vormittag verfliegt heut ein wenig, ich hab hier und da zu tun, arbeite ein wenig, telefoniere mit meinem Papa ( der Sorgen hat, dass ich nicht genug Geld für Essen habe *g* dann aber versteht, dass es wirklich nur ein Experiment ist) und schon ist wieder Zeit zum Mittagessen. 

Von gestern ist noch die Sauce da, das war etwas ungeplant, kommt dem Budget aber wirklich entgegen. Also ein wenig geschaut was da ist und was ich – laut Plan – überhaupt irgendwo heraus nehmen kann und los geht es. Heraus kommt ein bunter Teller. Ein leckerer bunter Teller der satt macht. Sehr satt. 

Tag_4_1 Tag_4_2

Das Mittagessen enthielt: 

1/2 Zwiebel – 0,06 Euro 
Kartoffel (148 g ) – 0,19 Euro
10 ml Öl (Vorrat) 
Salz Pfeffer (Vorrat)
150 g weiße Bohnen – 0,27 Euro
Rest Sauce von gestern – 0,71 Euro

Kalorien Mittagessen: 431 kcal 

Die Zwiebel und die Kartoffel dünn schälen und in feine Würfel schneiden. In etwas Öl knusprig anbraten. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Fertig. 

Zum Nachtisch gibt es noch einen Müsliriegel zu 0,11 Euro und 119 kcal. 

Ich weiß nicht ob ihr es merkt, aber heut geht mir das Experiment auf die Nerven. Ich wollte hier immer ehrlich sein, deswegen muss ich mir heut einfach den Frust von der Seele schreiben.

Und ärgere mich zeitgleich über mich selbst. Wie kann ich überhaupt so frustriert sein? Verdammt, EINE WOCHE, eine verdammte Woche…das ist gar nichts. Andere Menschen müssen ewig so leben, viele haben sich das so nicht mal ausgesucht. Wusstet ihr, dass es viele Rentner gibt, die nicht mehr Geld zum leben haben als diese 20 Euro die Woche?
Ist das nicht irre und irre traurig? 

Und ich sitze hier und heul fast, weil es mich so nervt so unflexibel zu sein. Der Tee nervt mich, ich würde so gern zu meinem Kusmi Tee greifen, ich würde mir gern frischen Ingwer in den Tee machen und ich würde gern einen riesigen Teller Nudeln essen und danach Kuchen backen.

Ich bin so genervt von mir selbst…als gäbe es keine anderen Probleme nervt es mich an, dass ich mal eine Woche unflexibel bin. Waaaah. Pure Luxusprobleme. 

Das Wort des Tages: Luxusproblem. Ich werde es sicher noch öfter erwähnen. 

Wisst ihr, heut stand ich sicher 10 Minuten vor einer kleinen Flasche richtig guter Ingwerlimonade, die habe ich mir letzten Samstag im Veganz gegönnt. Ich stand also vor ihr und starrte sie an und überlegte ernsthaft die jetzt einfach aufzumachen. Als Trost. 

Bewusst wurde mir da mal wieder wie sehr unsere Gefühlswelt mit dem Essen und Trinken verknüpft ist. Wir belohnen uns mit Essen und wir trösten uns damit, wir sehen es aber nicht als pure Nahrungsaufnahme.

Und warum?

Weil wir es können. Wir können es als Genuss sehen, wir sind nicht darauf angewiesen an
100 g Nudeln zu sparen oder an den fruchtigen Orangen oder den saftigsten Äpfeln. Wir legen sie in den Korb, kaufen sie und geniessen sie. 

Daran ist gar nichts schlecht, es ist gut zu genieße…es zeigt aber auch wie abhängig wir von all dem sind. 

Haben wir diesen Luxus nicht, dann dreht sich die Gefühlswelt, die Gedanken kreise und die Stimmung kippt und ich glaube genau das passiert gerade bei mir. 

Anders z.B. als bei meiner relativ veganen Ernährung bei der ich mir selbst nichts verbiete und eher neue wundervolle geschmackliche Erkenntnisse erlangt habe, muss ich mir in dieser Woche viel verbieten. Um wirklich realistisch zu berichten wie es sich anfühlt mit so einem kleinen Budget auszukommen. 

Mein Gefühlszentrum kämpft gerade mit mir und ich versuche ihm zu vermitteln, wie blöde es doch ist. Liebes Gefühlszentrum, wir bekommen was in den Bauch, haben es warm und haben auch – fast – genug, also verdammt noch mal stell dich nicht so an und hör auf zu heulen, es gibt Menschen denen geht es wirklich schlecht und du kommst mir hier mit deinen Luxusproblemen. 

Die Limo bleibt zu und ich streck ihr die Zunge raus. 

Irgendwie geht es mir jetzt besser und ich freu mich schon auf das Abendbrot, welches heut sehr frisch wird. Ich plane eine Weißkohlsalat mit Apfel und etwas Orangensaft. Fast wie ein bisschen Frühling auf dem Teller. 

Ich muss schon fast über meine Heulerei von vorhin lachen und streck der Flasche Limo noch einmal die Zunge raus. 

Vom „Ausmass“ des Abendbrotes bin ich dann sehr beeindruckt. Vor mir steht ein Teller mit zwei Broten, eine große Schüssel mit Weißkohlsalat und ein Schüsselchen Bananen Joghurt. Gefällt mir! :-) 

Und dank dem Tipp einer lieben Leserin gibt es zum Abendbrot eine Kanne Apfeltee. In dem enthalten ist ein viertel Apfel (in Scheiben) und das Kerngehäuse (kann ja nicht schaden), sowie zwei Datteln (9 g) zu 0,05 Euro

Für das Abendbrot habe ich verbraucht: 

150 g Weißkohl 
1 Apfel – 0,15 Euro 
Saft einer halben Orange – 0,25 Euro
2 Scheiben Dinkelbrot (60 g) – 0,17 Euro
10 g Alsan – 0,03 Euro
100 g Sojaghurt – 0,42 Euro
1 Banane – 0,26 Euro 

Kalorien fürs Abendbrot: 258 kcal 

Das Drama passiert, als ich gemütlich auf dem Sofa sitze, mein Brot esse und den Salat probiere. 

Was ist das für ein Geschmack? Bäh…das schmeckt nach Chlor. Wieso schmeckt das nach Chlor? Ich renne in die Küche und rieche am Kohl, der riecht auch so. Börgs. Was ist das nur? 

Mir wird schlagartig klar, dass der Kohl nicht mehr genießbar ist, der 3/4 Apfel darin umsonst war und ich eine halbe Orange für NICHTS verbraucht habe.

Mein ganzer Plan ist über den Haufen geworfen. Der Kohl war verplant und nun sitz ich hier und möchte wieder weinen. 

DAS ist heute nicht mein Tag. Wie konnte das nur passieren? :-( 1,44 Euro hat der Weißkohl gekostet und ich muss ihn komplett entsorgen. Verdammt. Dazu der Apfel und die halbe Orange…das ist Mist, das ist unfair…

Das Budget für heute…man mag kaum drüber reden… 4,48 Euro steht am Ende des Tages unterm Strich. Weil der Kohl mies war…

Über die Kalorien mag ich kaum reden, magere 1142 kcal…

Ich geh in die Küche, schnapp mir heulend die Limo und will diesen verdammten Tag nur vergessen.

Vergebt mir, ich hab mit der Limo gesündigt.