Schlagwort-Archive: Experiment

20 Euro – ein Woche: Tag 7 und das Fazit

Tag 7, die Woche ist vorbei. Ging zum Schluss dann doch schneller als ich schauen konnte. 

Da das Fazit sicher ein paar Sätze mehr beinhalten wird, halte ich mich mit dem Tagesablauf heute etwas kürzer und geb euch lediglich die Listen an die Hand. :-) 

Frühstück:

  • 3 Müsliriegel – 0,33 Euro
  • 1 Apfel – 0,15 Euro
  • 1 TL Sirup – 0,03 Euro
  • 100 g Sojajoghurt – 0,42 Euro

Kalorien Frühstück: 499 kcal (Yeahha) 

Mittagessen: 

  • 75 g Graupen – 0,18 Euro 
  • 200 g Bohnen – 0,35 Euro 
  • 400 ml Wasser plus 1 Brühwürfel – 0,17 Euro
  • 1/2 Möhre 45 g  – 0,09 Euro 

Kalorien Mittagessen: 482 kcal 

Tag 7 (2 von 2)

Die halbe Möhre in feine Würfel schneiden. 

In der Gemüsebrühe die Graupen und die Möhren ca. 20 Minuten köcheln lassen. Bohnen dazu und als Eintopf genießen. :-) 
(Macht gut satt!) 

Abendessen

  • 2 Scheiben Dinkelbrot 70 g (in der Pfanne geröstet) zu 0,21 Euro  
  • 10 g Alsan zu 0,03 Euro 
  • 4 Portionen (Rest) des Aufstriches zu 0,64 Euro 

Kalorien Abendessen: 439 kcal 

Gesamtausgaben am 7. Tag: 2,60 Euro
Kalorien gesamt: 1420 kcal 

Ihr Lieben,

nun ist es vorbei, das Experiment. 7 Tage lang wollte ich wissen wie man mit 20 Euro auskommen kann, wenn man einen Großteil Biolebensmittel einkauft.

Und irgendwie war genau dieses Thema das, was sich ganz schnell in den Hintergrund gedrängt hat.

Schnell ging es eigentlich um ganz andere Dinge und Gedanken. Bio stand gar nicht mehr wirklich im Vordergrund, eher der Gedanke „Wie geht es überhaupt mit 20 Euro in der Woche?“ Fest steht, mit Bio ist es möglich…aber zu welchem Preis? Mein Preis war, dass ich kaum auf ein annähernd gutes Kalorienziel am Tag kam. Mir ging es von Tag zu Tag schlechter, kann man so sagen. Ich bin blass geworden, fühlte mich schlapp, unausgeglichen, motzig und ich merkte, dass mir so vieles fehlt. Vitamine, Eiweiße, Ballaststoffe…was das alles auslöst brauch ich euch nicht erzählen, das wird euch bewusst sein. (Erschreckend, dass sich das überhaupt schon nach so kurzer Zeit bemerkbar macht.) 

Auch ist mir sehr schnell klar geworden, das mein Plan völlig falsch war. Ich hätte das Experiment ganz anders aufziehen müssen. Ich hab so viel vergessen was man so im normalen Alltag braucht. Tja, das ist wieder das Thema „Wir haben es ja und merken es erst, wenn es fehlt.“ 

Es ist schwierig so etwas für eine Woche zu planen, mich wundert gar nicht, dass ich so viel vergessen habe und nicht richtig eingeplant habe. Hätte ich das Experiment einen Monat durchgeführt, mit 80 Euro. Ich hätte vööööllig anders eingekauft. Aber gut, daraus lernt man ja und meine täglichen Pläne hier sind nur ein minimaler Einblick in eine Welt, in der man tatsächlich nur 20 Euro in der Woche zur Verfügung hat. 

21,49 Euro habe ich in dieser Woche verbraucht. Ganz nah am Ziel vorbei und ich kann mich gerade mit mir selbst nicht einigen, ob das Experiment nun gelungen oder gescheitert ist. Denn wie ich oben schrieb, irgendwie gehen meine Gedanken schon seit dem zweiten Tag in eine ganz andere Richtungen, deswegen steht bei mir am Ende ein ganz anderer Punkt an erster Stelle. 

WIE fühlt es sich eigentlich an mit so wenig Geld zu leben? 

Ich kann nicht mal sagen – trotz einiger Zwischenfälle – dass es sich ganz furchtbar schlimm angefühlt hat. Das hat es nicht, ich denke hätte ich vorab noch besser geplant, vielleicht sogar einen Monat bewusst erlebt oder weniger den Fokus auf die Biolebensmittel gelegt, dann wäre es sogar gegangen, ABER auch nur, weil ich ein wenig Ahnung habe von dem, was ich hier tue.

Kochen ist für mich kein fremdes Gebiet, ich kann aus Resten tolle Sachen zaubern, mit wenig viel auf den Teller bringen…aber das kann nicht jeder und leider bekommen viele Menschen mit wenig Budget niemanden an die Hand, der ihnen dabei hilft. Und das ist unheimlich schade.

Schon lange finde ich, dass das Unterrichtsfach Ernährung und Umgang mit Geld an unsere Schulen gehört, viel wird gelernt, das was wirklich wichtig ist und am Ende bleibt, das bleibt außen vor.

„Macht schon die Außenwelt.“ In vielen Fällen macht sie das aber eben nicht, weil sie es auch nie gelernt hat. Wie soll also ein Mensch mit geringem Budget wissen, dass die ewigen Fertiggerichte zwar billige Kalorien liefern, aber für die Gesundheit auf Dauer einfach nicht gut sind? Ich gebe zu, auch ich hab früher oft gedacht „Ach, es wird nicht so schwer sein von einem Hartz4 Budget zu essen.“

Aber doch, es ist schwer, wenn man niemanden an die Hand bekommt, der einen mal ein klein wenig unterstützt und zeigt wie man günstig und trotzdem gesund kochen kann und selbst dann ist das Budget noch gering. Schaut euch die Lebensmittelpreise an. Sie steigen. Immer wieder. Obst und Gemüse sind so teuer wie noch nie und dann steht man da mit seinen 20 Euro Wochenbudget und investiert es dann doch lieber in billige Kalorien.

Ich kann das – jetzt –  verstehen und auch ein wenig nachempfinden. 

Diese Experiment hat mir enorm viel gezeigt und auch viel über mich selbst gelehrt. Ich dachte nie, dass Essen SO wichtig für mich ist, dass es mich so umhaut, nicht mehr frei essen zu können, so intensiv zu planen. Normalerweise schreibe ich auch Pläne, aber die hau ich auch gern mal auf den Kopf und koche völlig anders, als ich es zuerst gedacht habe oder gehe dann eben doch mal essen. 

DAS ist einfach nicht möglich, wenn man auf das – sehr kleine – Budget achten muss. Man hat nicht die Wahl. Und wenn man bedenkt, dass das nicht nur Hartz4 Empfänger trifft (die ggf. nur gewisse Zeit so leben müssen), sondern auch und gerade die Rentner und Studenten, dann ist es schon sehr traurig, denn hoch gerechnet sind das eine Menge Menschen. 

Ab morgen werde ich wohl noch bewusster leben, so ein Experiment mit so vielen Eindrücken kann nicht spurlos an einem vorbei gehen. Ich habe das Gefühl, dass ich unsere täglichen Lebensmittel und meine täglich Auswahl und die Möglichkeiten einfach noch mehr zu schätzen gelernt habe. Natürlich, ich freue mich schon, dass ich jetzt wieder völlig normal essen „kann“, dass ich nicht in der Situation bin, dass es mir schlecht geht, aber ich bin glücklich darüber, dass ich es mal gespürt habe. Denn man muss Dinge selbst erleben um sie zu verstehen. 

Ich danke euch von Herzen, dass ihr so aktiv dabei wart. Eure Kommentare haben mich erheitert, aufgemuntert, mit Mut versehen und auch zum Nachdenken gebracht. Ihr wart ein großer Teil des ganzen Experimentes hier. Deswegen, von ganzem Herzen DANKE! Und ich wünsche mir sehr, dass ich euch auch ein klein wenig zum Nachdenken angeregt habe. :-) 

Ich werde jetzt ggf. ein paar Tage Blogpause einlegen und einfach einmal nachwirken lassen und auch wenn oft danach gefragt wurde, ich werde hier keine Liste meines normalen Alltags niederschreiben, denn für mich fühlt sich das gerade ziemlich falsch an. Ich hoffe ihr versteht das. :-) 

Lasst es euch gut gehen, wir lesen uns bald wieder,
eure Franzi :-) 

PS: Ich möchte an dieser Stelle einmal das Tauschticket Forum grüßen, meine roten Schuhe in die Luft halten und rufen „ich bin es wirklich“ ;-) 

Zusammenfassung des Experiments 

Tag 1
Tag 2
Tag 3
Tag 4
Tag 5
Tag 6
Tag 7

 

20 Euro – eine Woche: Tag 6

Ich wache heute ziemlich matschig auf, mein Kopf dröhnt immer noch und alles in allem fühl ich mich irgendwie niedergeschlagen. Gibt gar keinen richtigen Grund, aber ich fühl mich wie einmal durch den Kanal gezogen. Kann auch echt alles noch an den Antibiotika liegen. Blödes Zeug (hab ich diese Woche sicher schon mal erwähnt, muss aber noch mal raus.) 

Frühstück, wie gestern. Das war einfach zu lecker und gut. :-) 

  • 2 Müsliriegel – 0,22 Euro
  • 20 g Haferflocken – 0,05 Euro
  • 50 ml Sojamilch – 0,05 Euro
  • 1 Apfel – 0,15 Euro
  • 1 Tl Sirup – 0,03 Euro
  • 2 Beutel Kräutertee – 0,11 Euro

Kalorien fürs Frühstück: 425 kcal 

Meine Gedanken kreisen heute rund um dieses Experiment. Ist es richtig, was ich hier mache? Trete ich jemandem auf die Füße, unbewusst? 

Ein Richtig oder Falsch zu finden ist so schwer. Wenn ich schreibe „Es ist schwer, ich hab Hunger“ kann es als jammern ausgelegt werden, sage ich, dass alles gut ist, das Essen reicht etc, dann kann es passieren, dass jemand sagt, dass ich damit suggeriere, dass wenig Geld doch zum leben reichen würde. Tja, wie man es macht…

Da einen Mittelweg zu finden ist gar nicht so einfach. Vor allem, weil ich dieses Experiment eben auf Ehrlichkeit aufbauen möchte. Soll ich jetzt schweigen, wenn ich eigentlich Hunger habe und weiß, dass es definitiv zu wenig war? Soll ich schweigen, wenn ein Tag gut war und das Essen super? Ach, ich glaube ich mich mir zu viele Gedanken um Sachen, die von anderen gedacht werden. 

Eigentlich eine gute Übung um einmal Abstand von solchen Sachen zu gewinnen. 

Und Abstand finde ich heut in einem tollen Shooting mit einer wundervollen Kollegin, die Kälte pustet den Kopf wieder frei und zum Mittag mach ich mir einen großen Teller Nudeln. Tut gut. So allgemein und dem Bauch. 

Tag 6 (1 von 2) Tag 6 (2 von 2)

Verbraucht habe ich: 

  • 100 g Nudeln – 0,48 Euro
  • 1 Brühwürfel – 0,17 Euro
  • 1/2 Lauchzwiebel – 0,20 Euro
  • 1/2 Möhre 45 g – 0,09 Euro
  • 2 TL Tomatenmark 20 g – 0,16 Euro
  • 300 ml Wasser
  • 50 ml Sojamilch – 0,05 Euro 

Kalorien Mittagessen: 502 kcal 

Die Nudeln wie gewohnt kochen. 

Möhre und Lauchzwiebel waschen und schälen, in kleine Würfel schneiden. 

In etwas Öl leicht anbraten, Tomatenmark dazu geben und mit 300 ml Gemüsebrühe ablöschen. 50 ml Sojamilch dazu. Gut verrühren und noch ca. 15 min. leicht köcheln lassen. 

Nudeln sind schon wirklich etwas feines. Im Falle eines Falles kann man diese aber noch viel günstiger kaufen. Dass ich mich zu Anfang für die Dinkelnudeln entschieden habe, lag daran, dass ich bis Dienstag noch nicht wusste, ob ich eine Weizenallergie habe oder nicht.

Zu Anfang des Experiments und auch bei der Vorbereitung schwebte der Verdacht im Raum. Ich weiß jetzt aber, dass ich glücklicherweise keine Allergie habe.

Im Nachhinein hätte ich mich also für eine günstiger – und größere – Packung Vollkornnudeln entschieden. Ihr seht, da kann man ordentlich Geld sparen. Bei Alnatura kostet die 500 g Packung Vollkornnudeln 0,99 Euro, die Dinkelnudeln hier (250 g) haben 1,09 Euro gekostet. 

Ich hab das Gefühl meine Müdigkeit wird immer schlimmer, ich wache müde auf und verbringe den Tag müde. Elendes Gefühl. Träge fühl ich mich und ich merke sehr, dass mir Gemüse und Obst in größeren Mengen fehlen.

Der eigentlich eingeplante Kohl eben. Das Desaster macht sich ziemlich bemerkbar. 

Übrig sind jetzt noch eine halbe Möhre und ein paar Äpfel, aber gut, für morgen reicht das noch locker. 

Zum Abendbrot mach ich mir wieder die leckeren Brote mit dem Gemüseaufstrich. Da das Brot langsam trocken wird, ist es leicht angeröstet wirklich enorm lecker und schon fast wieder frisch. :-) 

  • 2 Scheiben Dinkelbrot 66 g (in der Pfanne geröstet) zu 0,19 Euro  
  • 10 g Alsan zu 0,03 Euro 
  • 2 Portionen des Aufstriches zu 0,32 Euro 

Kalorien Abendbrot: 342 kcal 

Ich nehm mir noch 5 Datteln (44 g zu 0,22 Euro und 125 kcal) zum snacken. 

Gesamt habe ich heute 2,52 Euro fürs Essen ausgegeben und 1393 kcal zu mir genommen. Hm. Nun ja. 

Morgen ist der letzte Tag. Ich hoffe es nimmt mir jetzt niemand übel, wenn ich sage, dass ich froh bin.

Und ich glaube der Mann neben mir ist es auch, der bekommt gerade ganz schön viel ab. 

An dieser Stelle, verzeih mir mein Liebster. 

20 Euro – eine Woche: Tag 4

Sozusagen Halbzeit. 

Gestern hat mich euer Zuspruch auf meine Gedanken wirklich wieder sehr aufgebaut, habt 1000 Dank dafür, ich freue mich, dass ihr alle das Experiment so versteht, wie es gemeint ist und es auch selbst gut findet. 

Heute muss ich mal ganz knallhart ehrlich sein. Ich habe tierische Lust auf einen frischen Smoothie, Pasta mit mächtig viel Sojabolognese und süßen Hefebrötchen. Ich hab auf so ziemlich alles Lust, nur nicht mehr auf das, was da ist.

Das Frühstück heut muss wieder Magenfreundlich sein, das Abendessen blieb gestern wirklich nur auf dem Zettel real. Verdammte Antibiotika… 

Trotzdem, das Frühststück war gut, tat gut und sättigt enorm. 

Frühstück: 

  • 50 g Haferflocken – 0,12 Euro
  • 200 ml Sojamilch – 0,20 Euro
  • 1 EL Zucker (Vorrat)
  • 1/4 TL Zimt (Vorrat) 
  • 1 Apfel – 0,15 Euro 
  • 1 Beutel Kräutertee – 0,05 Euro 

Kalorien Frühstück: 334 kcal  

Der Vormittag verfliegt heut ein wenig, ich hab hier und da zu tun, arbeite ein wenig, telefoniere mit meinem Papa ( der Sorgen hat, dass ich nicht genug Geld für Essen habe *g* dann aber versteht, dass es wirklich nur ein Experiment ist) und schon ist wieder Zeit zum Mittagessen. 

Von gestern ist noch die Sauce da, das war etwas ungeplant, kommt dem Budget aber wirklich entgegen. Also ein wenig geschaut was da ist und was ich – laut Plan – überhaupt irgendwo heraus nehmen kann und los geht es. Heraus kommt ein bunter Teller. Ein leckerer bunter Teller der satt macht. Sehr satt. 

Tag_4_1 Tag_4_2

Das Mittagessen enthielt: 

1/2 Zwiebel – 0,06 Euro 
Kartoffel (148 g ) – 0,19 Euro
10 ml Öl (Vorrat) 
Salz Pfeffer (Vorrat)
150 g weiße Bohnen – 0,27 Euro
Rest Sauce von gestern – 0,71 Euro

Kalorien Mittagessen: 431 kcal 

Die Zwiebel und die Kartoffel dünn schälen und in feine Würfel schneiden. In etwas Öl knusprig anbraten. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Fertig. 

Zum Nachtisch gibt es noch einen Müsliriegel zu 0,11 Euro und 119 kcal. 

Ich weiß nicht ob ihr es merkt, aber heut geht mir das Experiment auf die Nerven. Ich wollte hier immer ehrlich sein, deswegen muss ich mir heut einfach den Frust von der Seele schreiben.

Und ärgere mich zeitgleich über mich selbst. Wie kann ich überhaupt so frustriert sein? Verdammt, EINE WOCHE, eine verdammte Woche…das ist gar nichts. Andere Menschen müssen ewig so leben, viele haben sich das so nicht mal ausgesucht. Wusstet ihr, dass es viele Rentner gibt, die nicht mehr Geld zum leben haben als diese 20 Euro die Woche?
Ist das nicht irre und irre traurig? 

Und ich sitze hier und heul fast, weil es mich so nervt so unflexibel zu sein. Der Tee nervt mich, ich würde so gern zu meinem Kusmi Tee greifen, ich würde mir gern frischen Ingwer in den Tee machen und ich würde gern einen riesigen Teller Nudeln essen und danach Kuchen backen.

Ich bin so genervt von mir selbst…als gäbe es keine anderen Probleme nervt es mich an, dass ich mal eine Woche unflexibel bin. Waaaah. Pure Luxusprobleme. 

Das Wort des Tages: Luxusproblem. Ich werde es sicher noch öfter erwähnen. 

Wisst ihr, heut stand ich sicher 10 Minuten vor einer kleinen Flasche richtig guter Ingwerlimonade, die habe ich mir letzten Samstag im Veganz gegönnt. Ich stand also vor ihr und starrte sie an und überlegte ernsthaft die jetzt einfach aufzumachen. Als Trost. 

Bewusst wurde mir da mal wieder wie sehr unsere Gefühlswelt mit dem Essen und Trinken verknüpft ist. Wir belohnen uns mit Essen und wir trösten uns damit, wir sehen es aber nicht als pure Nahrungsaufnahme.

Und warum?

Weil wir es können. Wir können es als Genuss sehen, wir sind nicht darauf angewiesen an
100 g Nudeln zu sparen oder an den fruchtigen Orangen oder den saftigsten Äpfeln. Wir legen sie in den Korb, kaufen sie und geniessen sie. 

Daran ist gar nichts schlecht, es ist gut zu genieße…es zeigt aber auch wie abhängig wir von all dem sind. 

Haben wir diesen Luxus nicht, dann dreht sich die Gefühlswelt, die Gedanken kreise und die Stimmung kippt und ich glaube genau das passiert gerade bei mir. 

Anders z.B. als bei meiner relativ veganen Ernährung bei der ich mir selbst nichts verbiete und eher neue wundervolle geschmackliche Erkenntnisse erlangt habe, muss ich mir in dieser Woche viel verbieten. Um wirklich realistisch zu berichten wie es sich anfühlt mit so einem kleinen Budget auszukommen. 

Mein Gefühlszentrum kämpft gerade mit mir und ich versuche ihm zu vermitteln, wie blöde es doch ist. Liebes Gefühlszentrum, wir bekommen was in den Bauch, haben es warm und haben auch – fast – genug, also verdammt noch mal stell dich nicht so an und hör auf zu heulen, es gibt Menschen denen geht es wirklich schlecht und du kommst mir hier mit deinen Luxusproblemen. 

Die Limo bleibt zu und ich streck ihr die Zunge raus. 

Irgendwie geht es mir jetzt besser und ich freu mich schon auf das Abendbrot, welches heut sehr frisch wird. Ich plane eine Weißkohlsalat mit Apfel und etwas Orangensaft. Fast wie ein bisschen Frühling auf dem Teller. 

Ich muss schon fast über meine Heulerei von vorhin lachen und streck der Flasche Limo noch einmal die Zunge raus. 

Vom „Ausmass“ des Abendbrotes bin ich dann sehr beeindruckt. Vor mir steht ein Teller mit zwei Broten, eine große Schüssel mit Weißkohlsalat und ein Schüsselchen Bananen Joghurt. Gefällt mir! :-) 

Und dank dem Tipp einer lieben Leserin gibt es zum Abendbrot eine Kanne Apfeltee. In dem enthalten ist ein viertel Apfel (in Scheiben) und das Kerngehäuse (kann ja nicht schaden), sowie zwei Datteln (9 g) zu 0,05 Euro

Für das Abendbrot habe ich verbraucht: 

150 g Weißkohl 
1 Apfel – 0,15 Euro 
Saft einer halben Orange – 0,25 Euro
2 Scheiben Dinkelbrot (60 g) – 0,17 Euro
10 g Alsan – 0,03 Euro
100 g Sojaghurt – 0,42 Euro
1 Banane – 0,26 Euro 

Kalorien fürs Abendbrot: 258 kcal 

Das Drama passiert, als ich gemütlich auf dem Sofa sitze, mein Brot esse und den Salat probiere. 

Was ist das für ein Geschmack? Bäh…das schmeckt nach Chlor. Wieso schmeckt das nach Chlor? Ich renne in die Küche und rieche am Kohl, der riecht auch so. Börgs. Was ist das nur? 

Mir wird schlagartig klar, dass der Kohl nicht mehr genießbar ist, der 3/4 Apfel darin umsonst war und ich eine halbe Orange für NICHTS verbraucht habe.

Mein ganzer Plan ist über den Haufen geworfen. Der Kohl war verplant und nun sitz ich hier und möchte wieder weinen. 

DAS ist heute nicht mein Tag. Wie konnte das nur passieren? :-( 1,44 Euro hat der Weißkohl gekostet und ich muss ihn komplett entsorgen. Verdammt. Dazu der Apfel und die halbe Orange…das ist Mist, das ist unfair…

Das Budget für heute…man mag kaum drüber reden… 4,48 Euro steht am Ende des Tages unterm Strich. Weil der Kohl mies war…

Über die Kalorien mag ich kaum reden, magere 1142 kcal…

Ich geh in die Küche, schnapp mir heulend die Limo und will diesen verdammten Tag nur vergessen.

Vergebt mir, ich hab mit der Limo gesündigt.