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20 Euro – 1 Woche: Tag 5

Tag Nr. 5

Ein neuer Tag, den gestrigen einfach mal vergessen. War riesiger Mist und regt mich wieder sehr zum nachdenken an. 

Was für mich nur in dieser Woche „tragisch“ ist, ist für andere ein normales Leben. Das hinterlässt in einem selbst doch eine Menge Spuren. 

Der Tag fängt gut an, ich geh nämlich zum Schneeschieben raus. Jaaaaaa, es hat endlich ein wenig geschneit. Juhu. Ich starte also gleich mal super fröhlich in den Tag. :-) 

Von gestern ist noch eine 3/4 Kanne Apfeltee da, was gestern Abend noch so „na ja, geht schon“ war, ist heute in der Früh einfach nur phänomenal lecker. Süß, fruchtig…ich hüpf erst mal kichernd im Kreis. Welch Bereicherung. So etwas kleines kann so viel Freude auslösen.

Wahnsinn. (Und im Laufe des Tages gieße ich den einfach wieder auf und geb noch die frischen „Reste“ vom Apfelkompott hinzu und habe somit 0,11 Euro für den Kräutertee am heutigen Tag gespart.) 

Meine Freunde fragen mich, was ich am Montag als erstes kochen werde. Ich werde gar nicht kochen, ich werde zuerst einen Kuchen backen. So einen richtig schön saftigen Marmorkuchen. Danach gelüstet es mich schon die ganze Zeit. ;-) 

Nun gut, noch ist nicht Montag und noch habe ich drei Tage vor mir und viele Gedanke zu Ende zu denken. Beginnen wir mit dem Frühstück,  da war ich heute gleich mal wild und hab ganz frech zwei Müsliriegel „geopfert“ um es einmal knuspriger zu gestalten. 

Zum Frühstück verbraucht habe ich:

2 Müsliriegel – 0,22 Euro
20 g Haferflocken – 0,05 Euro
200 ml Sojamilch – 0,20 Euro
1 Apfel – 0,15 Euro

Kalorien Frühstück: 397 kcal
Fängt doch gut an. :-)  

Wohlig satt mach ich mich – mit Apfeltee – und Wärmflasche ein wenig an die Arbeit.

Komisch fühl ich mich heut, ich hab Kopfweh, mir ist kalt und ich bin so, so, so müde. Muss man sich noch wundern, dass Menschen mit wenig Budget für Lebensmittel irgendwie träger werden? 

Ich recherchiere noch ein wenig zum Thema Containern. Meine Gedanken kreisen ja schon die ganze Woche über die möglichen Alternativen der Lebensmittelbesorgung im Fall der Fälle.

(Anmerkung: Ich möchte hier mit dem Bericht, dem Interview etc. niemanden dazu bewegen etwas illegales zu tun oder „im Müll zu wühlen“, es ist lediglich ein Thema, welches ich in dem Zuge des Experimentes behandeln möchte und welches ich persönlich sehr interessant finde.)

Woher kann man Lebensmittel bekommen wenn das Geld sehr knapp ist, es nicht reicht, eine Tafel fern ist? Ich denke diese Gedanken würde sich jeder machen, der in so einer Situation ist, oder? 

Containern ist sicher nichts für jeden, ich selbst bin auch nicht sicher, ob es mein Ding wäre. Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich es aus finanzieller Sicht wirklich nicht brauche, aber gleichzeitig kotzt es mich tierisch an WAS da alles in den Tonnen landet und verstehe diese Bewegung nur zu gut.

Man findet Lebensmittel die noch absolut in Ordnung sind, in größten Mengen…es ist traurig. So traurig. 

Bei all dem was alles aus den Containern geholt wird, da stockt mir manchmal echt der Atem, in diesem Bericht hier könnt ihr das ganz wunderbar anschauen. 

Von vielen Menschen erfuhr ich in den letzten Tagen, dass sie containern. 
Mit Erfolg, mit Leidenschaft, mit politischem und gesellschaftlichem Interesse und auch oft aus Gründen der puren Armut. Die Menschen hinter dem Thema „Containern“ haben so viele Gesichter. 

Deswegen habe ich ein paar aktive „Containerer“ befragt um noch mehr Antworten zu diesem sensiblen Thema zu bekommen.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an euch, dass ihr so offen und ehrlich wart. :-) 

 1. Seit wann containerst du und was dahingehend dein persönlicher Antrieb?

F.: Ich selber geh erst seit ca einem Monat Containern, habe aber über Bekannte schon vorher davon „Profitiert“, was dann letztendlich auch zu dem Entschluss beigetragen hat selber mal „loszuziehen“.
Mein Persönlicher Antrieb ist in Erster Linie ( zugegebener Maßen) die finanzielle Seite, denn man kann schon ziemlich viel Geld dadurch sparen. Hinzu kommt aber auch, dass ich es unsinnig finde Lebensmittel, welche nicht mehr zu 100% Den optischen Ansprüchen entsprechen einfach in den Müll zu werfen anstatt sie günstiger zu verkaufen oder zu Spenden, wodurch sich das Thema Welthunger bestimmt dezimieren lassen würde.

 L.: Ich habe letztes Jahr das erste Mal containert. Wollte das vorher schon mehrere Jahre mal ausprobiert haben, aber hatte niemanden, die/der mich mal mitnehmen konnte. Mein persönlicher Antrieb liegt darin, dass ich nicht mit ansehen möchte, dass so viele noch essbare Lebensmittel weggeworfen werden. Obst und Gemüse, das eine kleine nicht nicht perfekte Stelle hat. Genau wie Trockenprodukte, deren MINDESThaltbarkeitsdatum „abgelaufen“ ist, können noch super gegessen werden und sind nicht minder schmackhaft.

R.: Ich containere noch nicht sehr lange. Das erste Mal war ich 2011 unterwegs, allerdings einmalig, dann letztes Jahr hier und da ein paar Mal. So richtig erst seit diesem noch recht jungen Jahr. Ich bin da noch ganz grün hinter den Ohren. Dazu entschlossen habe ich mich, da ich es beschämend finde, wie viele Lebensmittel weggeschmissen werden, vor allem tierische, wie viele Tiere also völlig umsonst leiden mussten und wie viele Menschen gleichzeitig hungern oder nur gerade eben so satt werden.

 2. Containern in deinen Augen, legal oder illegal?

F.: Mir ist bewusst, dass Containern nicht legal ist, aber ich bin der Meinung, dass es keinem Menschen etwas nützt diese Lebensmittel einfach zu entsorgen und es niemandem schadet, wenn ich mir das nehme was ich gebrauchen kann. Ausserdem hat mir bisher noch niemand gesagt dass es illegal ist, also sehe ich es für mich als legal an :-D

L.: Rechtlich gesehen ist es illegal. Ich sehe es für mich persönlich als eine Grauzone, in der ich mich bewege. Was ich nicht mache, sind Gitterboxen oder Container aufzubrechen. Es ist zwar sehr schade, wenn Supermärkte ihren Müll wegsperren, weil sie wissen, dass sonst containert werden könnte, aber dennoch setze ich mich nicht darüber hinweg. Ich kenne einige Container, die gut und einfach zugänglich sind. Auch ist mir wichtig, den Platz hinterher so zu verlassen wie ich ihn vorgefunden habe, wenn nicht sogar ordentlicher, um die Mitarbeiter_innen der Supermärkte nicht zu verärgern. 

R.: Rechtlich mag es illegal sein, für mich ist es legal, da ich es kein bisschen ethisch verwerflich finde. Man schadet damit niemandem, wenn man nichts kaputt macht. Die Sachen wurden weggeschmissen, dass da also noch Besitzansprüche dran gestellt werden können, finde ich krank.

3. Wenn du los ziehst, was bringst du aus den Tonnen mit?

F.: Meistens finde ich Bananen, Kartoffeln, Brot, Gemüse wie Paprika, Tomaten und Möhren oder Obst (Meistens Äpfel, Zitrusfrüchte, Mangos und Avocados). Seltener finde ich mal Milchprodukte und Wurstwaren die noch „verwertbar“ sind, wobei das natürlich stark jahreszeitenabhängig ist (Im Winter hält es sich frisch)

L.: Ich ziehe nach Ladenschluss los. Meist nach Mitternacht. Da ich vegan lebe, containere ich auch nur vegane Produkte, in der Regel Obst und Gemüse. Ich konnte aber auch schon Blumensträuße retten und sie nochmals in einer Vase aufblühen lassen.

R.: Ich bin ja noch nicht so lange dabei, daher ist das sicher keine repräsentative Antwort. Am meisten habe ich bisher Milchprodukte und Fleisch gefunden. Sowas verteile ich dann weiter an Menschen, die es essen möchten. Auch Obst findet man oft, z.B. Ananas, Bananen oder Orangen. Brot bekommt man auch massenweise. Generell nehme ich soweit möglich alles mit, was noch gut aussieht und verteile es dann weiter, ich containere nicht nur für mich. Man kann sagen, dass es im Prinzip nichts gibt, was nicht weggeworfen wird, sollte es auch noch so abwegig sein.

4. Was hat dich beim containern am meisten erschreckt, was hat dich besonders gefreut?

F.: Am Meisten erschreckt hat mich die irrsinnige Menge an Produkten, die ihr Mindesthaltbarkeitsdatum nicht erreicht/überschritten haben und nur aus optischen Gründen weggeworfen wurden (Brote die an einigen Stellen abgeknickt waren, Produkte mit schief geklebten Etiketten ö.ä.) Gefreut habe ich mich als ich bemerkt habe, wie sehr mir das Containern finanziell hilft.

L.: Was mich jedes Mal erschreckt sind die unfassbar großen Mengen an Lebensmitteln, die weggeworfen werden. Ich freue mich über jedes einzelne Lebensmittel, das ich retten kann. Besonders habe ich mich aber mal über eine Packung Blaubeeren gefreut. Die hatte ich davor schon längere Zeit nicht mehr gegessen, weil sie mir in der Regel zu teuer sind.

R.: Erschreckt haben mich die Massen, die da sinnlos im Müll landen. Unnötiges Tierleid, unnötige Ressourcenverschwendung, Müllproduktion, unnötiger Hunger. Und das nur, damit die Regale immer alle voll sind, es darf nie etwas fehlen. Gefreut hat mich der Umgang der Foodsaver untereinander, hier habe ich bisher sehr viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft erlebt, wir ziehen ja irgendwie alle am gleichen Strang.

5. Zu wie viel % bestimmt das Containern deinen Speiseplan? Was sparst du so ca.?

F.: Das Container bestimmt meinen Speiseplan in den Tagen nachdem ich unterwegs war sehr stark, weil die Lebensmittel manchmal sehr schnell verarbeitet werden müssen. Deshalb weiß man nie was dann an Essen auf den Tisch kommt (Gemüsesuppen und Eintöpfe sind recht häufig dabei). Sparen tue ich im Moment so ca zwischen 100 und 200 Euro pro Monat, weil ich bisher noch keine Liste aufgebaut habe, wann ich wo hin muss um möglichst viel zu finden.

L.: Das kann ich nicht genau sagen, da ich momentan aus zeitlichen Gründen nicht regelmäßig containere. Ich schätze, dass ich je nach Ausbeute Lebensmittel mit einem Warenwert von 5-40 Euro pro Containerabend rette. Einige Lebensmittel wie Bananen, Gurken, Kartoffeln und Brokkoli finden sich besonders oft. Salatköpfe finden sich auch oft in den Tonnen, die sind aber in der Regel wirklich matschig und nicht mehr genießbar. Bei Trockenprodukten wie Nudeln oder Reis muss Mensch Glück haben. Brot findet sich ebenso sehr oft in den Containern.

R.: Diese Frage kann ich noch nicht so beantworten, da ich dafür noch nicht lange genug dabei bin. Als Veganer_in ist es vermutlich schwieriger, sich ganz aus der Tonne zu ernähren, denn am meisten findet man meiner Erfahrung nach Milch- und Fleischprodukte, bei Obst und Gemüse muss man aufpassen, das ist dann leider oft wirklich schon etwas gammelig, wobei man da auch super Sachen finden kann. So Sachen wie Reis, Getreide etc. habe ich bisher nicht gefunden, die muss ich also nach wie vor kaufen. Ich schätze im Moment sind es so ca. 20-30%, wie viel ich damit spare ist auch schwer zu sagen. Ich weiß aber, dass ich meine Ausgaben für Lebensmittel drastisch reduzieren könnte, wenn ich noch mehr containern würde. Ich kenne einige Foodsaver, die gar nicht oder so gut wie gar nicht mehr regulär einkaufen.

Was eure Meinung zu diesem Thema? Habt ihr in kargen Zeiten darüber nachgedacht? Macht ihr es sogar aktiv und u.a auch aus dem Grund, dass ihr dem ewigen Wegschmeißen nicht mehr zu schauen wollt? Ich bin enorm gespannt auf eure Meinung. :-)

Die Mittagszeit ist mal wieder fixer da, als man schauen kann und so langsam aber sicher gehen die Vorräte doch ganz schön zur Neige. Auf dem heutigen Plan stehen Kartoffelplätzchen mit Apfelkompott. Ein wenig angelehnt an Kartoffelpuffer, aber die mit den wenigen Sachen, die ich für diese Woche habe, herzustellen ist so ziemlich unmöglich.

Tag_5

Für das Mittagessen habe ich verbraucht: 

2 Karoffeln 313 g – 0,39 Euro
1/2 Zwiebel – 0,06 Euro 
2 Äpfel – 0,30 Euro 
20 ml Öl (Vorrat)
2 TL Zucker (Vorrat) 

Kalorien für das Mittagessen: 550 kcal

Die Kartoffeln dünn schälen und in Würfel schneiden. In etwas Wasser gar kochen. 

In der Zwischenzeit zwei Äpfel gründlich waschen und in mundgerechte Stücke schneiden. In einem Topf 2 TL Zucker leicht karamellisieren lassen. Die Äpfel dazu, gut verrühren und mit einem Schluck Wasser ablöschen. Das Kompott nun ca. 10 min auf kleiner Flamme köcheln lassen. Etwas Zimt dazu geben und gut vermengen. 

Die Kartoffeln abschütten und ordentlich zerstampfen. Die halbe gewürfelte Zwiebel zu den Kartoffeln geben.

Aus der Masse kleine Plätzchen formen und diese in etwas Öl gut anbraten. (Sie fallen vermutlich auseinander, was aber verständlich ist, weil einfach etwas zum Binden fehlt, es tut dem Geschmack aber gar nichts, es ist auch zerfallen unheimlich lecker) 

Goldbraun gebacken gab es die Taler mit dem Apfelkompott und herrje, was das ein Traum und irgendwie auch ein Soulfood. 

Ach Nachmittag gab es noch das letzte Gläschen Milchreis zu 0,30 Euro und 264 kcal 

Für das heutige Abendessen und auch das Wochenende steht ein Brotaufstrich (8 Portionen) auf dem Plan.

Dafür habe ich mir:

  • 100 g Tofu – 0,70 Euro 
  • 55 g Lauch – 0,20 Euro
  • 120 g weiße Bohnen – 0,21 Euro
  • 1 Möhre (80 g) – 0,15 Euro
  • 1 TL Öl (Vorrat)
  • Salz und Pfeffer (Vorrat) 
  • einen Schluck Orangensaft 

genommen und den Lauch, sowie die Möhre in feine Ringe geschnitten und in etwas Öl angeröstet. 

Das geröstete Gemüse in den Mixer geben, die weißen Bohnen dazu und das Gemüse zu einer feinen Masse mixen. Mit Salz, Pfeffer und einem Schluck Orangensaft (ich hab mir die übrige halbe Orange von gestern ausgepresst – 0,25 Euro und 38 kcal – einen großen Schluck getrunken und den Rest in den Aufstrich gegeben) abschmecken. 

Und kaum hatte ich mich versehen, war auch schon der Abend da und der Magen knurrte. Also ab in die Küche und zwei Scheiben Dinkelbrot 71 g zu 0,21 Euro in einer Pfanne leicht angeröstet, 10 g Alsan zu 0,03 Euro drauf geschmiert und 2 Portionen des Aufstriches zu 0,32 Euro über das warme Brot gegeben und einfach nur genossen. 

Und nun beginnt das Wochenende, der Mann ist daheim, isst eben auch daheim – ganz normal – und ich bin echt gespannt wie das wird. Mir graut es ein wenig. 

Gesamt habe ich heute für 2,79 Euro gegessen.

Kalorien für den heutigen Tag 1604 kcal. Schon viel besser, wenn auch nicht optimal.